„Erster Schritt für ein Verkehrsnetz der Zukunft“

„Historischer Moment“: Selbstfahrender Elektro-Kleinbus SAM nimmt Probebetrieb auf

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Der elektronische Kleinbus SAM hat am Montag seinen Probebetrieb in Drolshagen aufgenommen.

Drolshagen - Einen „historischen Moment“ gab es am Montagvormittag in Drolshagen. Der automatisch fahrende E-Kleinbus SAM hat den achtmonatigen Probebetrieb aufgenommen.

„Wir sind die ersten, die ein solches Fahrzeug ohne Fahrer im Linienbetrieb einsetzen“, freute sich Drolshagens Bürgermeister Uli Berghof zum Start des Probebetriebs. Der Elektro-Kleinbus wird vier Monate in der Rosestadt eingesetzt, danach soll er vier Monate lang seine Runden durch Meggen drehen. „Damit haben wir kleinen Eintrag in den Geschichtsbüchern der Mobilität sicher“, so Berghof weiter.

Landrat Frank Beckehoff schlug eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart: „Bereits vor 125 Jahren ist in Südwestfalen etwas Historisches geschehen. Damals fuhr der erste motorisierte Omnibus in Südwestfalen, von Siegen über Netphen nach Deuz.“ Auch heute noch sei der öffentliche Personennahverkehr „für viele Menschen im Alltag unverzichtbar.“ Umso mehr freute er sich, dass „in Drolshagen die Technik von morgen bereits heute zum Einsatz kommt“: „Das zeigt, dass der Trend zum autonomen Fahren auch vor Südwestfalen nicht Halt macht.“ 

Vertreter der Projektpartners durchschnitten ein Symbolisches Band, bevor SAM die Fahrt aufnehmen konnte.

SAM – das heißt „Südwestfalen Autonom & Mobil“ – steht den Bürgern montags bis freitags von 8.30 bis 16.30 Uhr kostenlos zur Verfügung: „Das ist ein erster Schritt für ein Verkehrsnetz der Zukunft“, erklärte Volker Lazzaro, Geschäftsführer der Firma Mennekes, einem Projektpartner von SAM. Er stellte sich vor, dass es in Zukunft Städte geben könnte, die ganze Straßen „als Lebensraum freigeben können“: „Und die autonomen Busse fahren problemlos unfallfrei da durch.“

„Ein Highlight für Südwestfalen“

Christian Hermann von der Firma Krah ergänzte: „Das ist ein Highlight für Südwestfalen. Wie bekommen auf diese Weise einen Einblick in Zukunftstechnologie.“ Das Projekt wird vom Berliner Unternehmen „Nuts One“ umgesetzt: „Für uns ist es das erste Projekt im öffentlichen Raum“, gab Frank Hunzicker zu Protokoll. Gebaut hat das Fahrzeug die Firma EasyMile, Betreiber sind die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS). Dr. Stephanie Arens (Südwestfalen Agentur) zeigte sich begeistert, dass sich so „ein breites Projektkonsortium“ gebildet hat: Neben Firmen Krah und Mennekes sind der Energieversorger Bigge Energie, der Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS), die VWS, die Städte Lennestadt und Drolshagen und die Südwestfalen Agentur an SAM beteiligt. 

Seit Montag dreht der elektronische Kleinbus SAM automatisch seine Runden durch Drolshagen.

Als dritten Schritt nach dem Demobetrieb im März 2019 und dem derzeitigen Probebetrieb stellt sich Günter Padt vom ZWS den „flächendeckenden autonomen Betrieb“ – also ohne Operator an Bord – vor: „Die Idee ist, dass die Bürger den Bedarf per App anmelden und der Bus dann von Haustür zu Haustür fährt.“ Dr. Arwed Schmidt von EasyMile erklärte die Hürden bevor diese dritte Stufe beginnen kann: „Wir haben den Betrieb ohne Operator ein Jahr lang in Frankreich auf einem Privatgelände getestet. Aber die rechtlichen Unterschiede vom Verkehr im privaten und im öffentliche Raum sind immens.“ Daher werden garantiert noch „zwei bis drei Jahre“ vergehen, bevor ein Kleinbus völlig autonom durch Deutschlands Straßen fahren kann. 

Platz für sechs Fahrgäste

Der selbstfahrende Elektro-Kleinbus SAM bietet sechs Personen Platz. Er fährt automatisch – aber nicht autonom. Jede Fahrt wird von einem sogenannten „Operator“ begleitet, der im Bedarfsfall das Fahrzeug manuell steuern kann. Die Linie verbindet zwei Mal pro Stunde den Bereich Gerberstraße mit dem Stadtbad und der Sekundarschule und fährt zudem durch die Wohngebiete rund um Humboldt- und Schillerstraße. Dabei kommt er mit einer Batterieladung aus: „Wenn nicht so viel geheizt werden muss, hält die Batterie zehn Stunden“, so Schmidt.

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