JAp soll in den Himmel wachsen

Siegener Apollo-Theater stellt erstmals Pläne für einen Anbau auf dem Dach vor

Das Apollo-Theater möchte anbauen: Auf dem Dach soll ein Probenraum für das „Junge Apollo“ entstehen.

Siegen. „Stillstand bedeutet Rückgang“, sagte Prof. Herbert Landau, Vorsitzender des Apollo-Trägervereins am Dienstag bei einem Pressegespräch. Und genau darum ist im Apollo-Theater derzeit auch vieles in Bewegung. Landau sowie Intendant Magnus Reitschuster und Werner Hahn, Leiter „Junges Apollo“, nutzten das Pressegespräch, bei dem es eigentlich  um den Start der 5. Biennale und die Uraufführungen im Apollo gehen sollte auch, um erstmals große Zukunfts- und (An-)baupläne für das Theater zu präsentieren.

Der Gedanke, der Magnus Reitschuster nach eigener Aussage schon seit rund einem Jahr umtreibt, ist ein Anbau „über den Dächern der Stadt“ – oder genauer gesagt, ein Kinder- und Jugendtheater auf dem Dach des Apollo-Theaters. Hierfür stellte der Intendant zwei verschiedene Versionen vor. „Das eine ist eine Vision, das andere eine Notwendigkeit“, beschrieb Prof. Landau die Entwürfe.

Die Notwendigkeit, das wäre ein Anbau direkt auf dem Apollo-Dach, in dem man einen zusätzlichen Probenraum und ein kleines Studio unterbringen könnte. Von der Machbarkeit dieses Entwurfs sind auch der Geschäftsführende Vorstand des Trägervereins und die Gäste aus Vorstand und Kuratorium des Förderkreises überzeugt, die dem Initiativentwurf bereits zustimmten. Eine Treppe sei bereits vorhanden, so Reitschuster, nur der Aufzug müsse um eine Etage erweitert werden. Auch sei das „Junge Apollo“ (JAp) so in die Infrastruktur des Hauses eingebunden.

Das Apollo-Theater hat große Pläne: Das JAp soll in den Himmel wachsen.

Reitschusters „große Vision“ beinhaltet einen zusätzlichen Anbau auf dem angrenzenden Parkhausdach. Dort könnte eine große Werkstattbühne für rund 200 Personen entstehen. „Das ist ein kühnes Projekt“, so Landau. Das dies aber finanziell nicht machbar ist, vor allem nicht in der Kürze der Zeit, darüber sind sich alle Beteiligten klar. Vielleicht sei das auch ein Projekt für die Regionale 2025, warf Reitschuster in den Raum. Das Theater jedenfalls strebt man nun erstmal den „kleinen Anbau“ an.

Wenn es nach den Verantwortlichen geht, werden eher heute als morgen zusätzlichen Räumlichkeiten zum Proben benötigt. Denn das JAp unter der Leitung von Werner Hahn habe sich in den vergangenen zwei Jahren seit der Gründung so gut entwickelt, dass das Haus am Scheinerplatz mittlerweile „aus allen Nähten platzt“, so Reitschuster. „Wir haben versucht, an vielen Ecken und Enden der Stadt Kontakte zu knüpfen und diese im Apollo zusammenzuführen.“ Dabei habe man gemerkt, dass Siegen „eine sehr theater-enthusiastische Region ist“.

Zu Apollo-Gründungszeiten hätte man noch die Sorge gehabt, wie man das Haus füllen soll: Nun kommen statt 45.000 Besucher 95.000, statt zwei Eigenproduktionen im Jahr sei man jetzt bei vier bis fünf – und die hätten im JAp, das ebenfalls auf eine Mischung aus Gast- und Eigenproduktionen setzt, sogar eine noch größere Bedeutung.

Bei der jüngsten Produktion „Im weißen Rössl“ habe man nochmals gemerkt, wie beengt die Räumlichkeiten mittlerweile sind. Zuletzt sei man immer öfter bei entsprechenden Projektpartnern untergekommen, um genug Platz zum Proben zu haben. „Der Sinn ist aber eigentlich, junge Menschen ins Apollo hineinzuholen“, erinnerte Reitschuster an das eigentliche Ziel des „Jungen Apollo“. Das sei so nicht mehr gegeben.

Auch eine Kooperationsvereinbarung, nach der das Theater kostenfrei in der Aula des Löhrtor-Gymnasiums proben kann, habe sich als schwer umsetzbar erwiesen. Denn auch die Schule nutze die Aula häufig, weshalb das Austarieren der Termine viel Energie koste. Zudem sei der Vertrag zu einer Zeit abgeschlossen worden, „in der man diese großartige Entwicklung nicht absehen konnte“.

Nun soll schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden. Konkrete Zahlen gebe es aber noch nicht. Die Verantwortlichen wollen das Gespräch mit der Stadt Siegen suchen. „Ohne Stadt, Kreis und Land wird es nicht gehen“, das ist Prof. Herbert Landau bewusst. Eine Machbarkeitsstudie sei nun der nächste Schritt – offen sei zum Beispiel die Frage der Statik. Eine solche Studie koste aber eben auch Geld – „sicher im fünfstelligen Bereich“. Die Hoffnung der Verantwortlichen ist es, dass die zusätzlichen Probenräume eventuell ab Ende 2020 zur Verfügung stehen könnten – wenn sich das Projekt als machbar erweist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare