Ziel: Geschichtsbewusstsein schärfen

Sonderausstellung im Aktiven Museum: Siegen zur Zeit des Ersten Weltkriegs

Die Siegener Bahnhofstraße bei der Mobilmachung 1914.

Siegen. Das Aktive Museum Südwestfalen zeigt vom heutigen Sonntag bis zum 26. März die Sonderausstellung „Front und ‚Heimatfront’. Regionale Aspekte des Ersten Weltkriegs“.

Die Ausstellung richtet sich dabei vor allem an die jüngere Generation, um dieser die historischen Ereignisse in und um Siegen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu vergegenwärtigen.

Es gibt kaum noch Zeitzeugen, die sich an Siegen zur Zeit des Ersten Weltkriegs erinnern können. Umso wichtiger sei es, die Vergangenheit stetig ins Bewusstsein zu rücken, insbesondere bei der heutigen Jugend. Deshalb trafen sich Mitarbeiter des Siegener Stadtarchivs, der Geschichtswerkstatt und des Aktiven Museums Südwestfalen, um gemeinsam aus der Weltkrieg-Eins-Ausstellung im Siegerlandmuseum eine Sonderausstellung vorzubereiten und zu präsentieren. Den Verantwortlichen geht es darum, jungen Menschen vor Augen zu führen, welche Auswirkungen ein übersteigerter Nationalismus haben kann. Auch angesichts der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen eine wichtige Aufgabe.

„Front und ‚Heimatfront’“ erstreckt sich über drei Teile und beginnt mit der Mobilmachung im August 1914. Euphorie und Hysterie, so der Siegener Historiker Dieter Pfau, beherrschten den damaligen Zeitgeist. Euphorie hinsichtlich des Krieges, in den die deutschen Soldaten siegesgewiss zogen, Hysterie wegen der Angst vor Spionen und Sabotage. Diese Aufbruchsstimmung teilten auch Siegens jüdische Mitbürger, zu deren Gemeinde damals zirka 120 Personen zählten. Eine historische Fotografie, aufgenommen in der Bahnhofstraße, spiegelt das damalige Flair in Siegen eindrucksvoll wider. Dann gab es die Kinderlandverschickung, um die Kleinsten „groß und kräftig“ zu machen, und man sieht, wie diese dann für die ‚Heimatfront’ instrumentalisiert wurden.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich den Siegener Lazaretten, etwa in der Nordschule oder im St. Marien-Krankenhaus, wo die Verwundeten versorgt wurden. Daneben erfährt man einiges über das Schicksal Siegener Soldaten an der West- und Ostfront. Der Jagdflieger Heinrich Gontermann, der als „der Kriegsheld Siegens“ in die Geschichte einging, wird besonders hervorgehoben. Doch nicht im Luftkampf, sondern beim Versuch, ein neues Flugzeug auszuprobieren, stürzte er ab und starb wenig später im Krankenhaus. Wie es der Abiturklasse 1914 des Siegener Jungengymnasiums erging, zeigt ein zehnminütiger Dokumentarfilm. Von den insgesamt 18 Schülern blieben später sechs im Feld.

Der dritte Teil beleuchtet das Leben jüdischer Soldaten aus dem Raum Siegen anhand von Einzelbeispielen: Da gab es den Metzgersohn Sally Reiß aus Eiserfeld; 1915 leicht verwundet, erhielt der Kanonier Reiß das Ehrenkreuz 2. Klasse. Insgesamt 800 tote Soldaten verzeichnete die Kernstadt Siegen. Eine multimediale Präsentation, die die Art und Weise, wie die Bevölkerung im Altkreis Siegen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedachte, beendet die historische Rückschau. Teils monumentale Kriegsdenkmäler wie etwa der gemauerte Turm mit Kugel und Kreuz in Wilnsdorf machen deutlich, worum es ging: „Das Opfer darf nicht vergebens gewesen sein.“

Öffnungszeiten des Aktiven Museums Südwestfalen: Sonntag und Dienstag von 15 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Kostenlose Sonntagsführungen gibt es am 5. und 19. Februar sowie am 5. und 19. März jeweils um 15.30 Uhr. Interessierte Schulklassen können sich unter hanswalter.klein@googlemail.com anmelden.

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