Verwaltungsaufwand wird zu groß

Zum 1. Mai: Stadtsparkasse Hilchenbach fusioniert mit Siegen

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Hilchenbachs Bürgermeister Holger Menzel unterzeichnet im Beisein der Vertreter der übrigen im Zweckverband zusammengeschlossenen Kommunen, der Verwaltungsratsvorsitzenden und Vorstände der beiden beteiligten Sparkassen den öffentlich-rechtlichen Vertrag. 

Siegen/Hilchenbach. Jetzt ist es amtlich, der öffentlich-rechtliche Vertrag zur Fusion der Stadtsparkasse Hilchenbach mit der Sparkasse Siegen unterzeichnet. Das Placet der Aufsichtsbehörden ist reine Formsache. Wirksam wird der Zusammenschluss zum 1. Mai 2018.

Mit der technischen Fusion am 13. Mai sollen beide Häuser dann tatsächlich eins sein. Das Wichtigste vorweg: Die 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (zuzüglich sechs Auszubildenden) aus Hilchenbach werden ihre Jobs behalten, müssen keine Gehaltskürzungen oder andere Unbilden erwarten. Für die Kunden werden sich dafür durchaus einige Dinge ändern (siehe unten), der Großteil soll aber weiterhin in den Hilchenbacher Filialen betreut werden. 

Im Sitzungssaal der Sparkasse Siegen hoch über den Dächern der Stadt versammelten sich am Montag Vertreter der (nun) im Zweckverband zusammengeschlossenen Kommunen Siegen, Hilchenbach, Freudenberg, Kreuztal, Netphen und Wilnsdorf, die Verwaltungsratsvorsitzenden und die Vorstände der beiden beteiligten Sparkassen, um mit der Unterzeichnung des Papiers den Schlusspunkt unter einen, so der Siegener Vorstandsvorsitzende Wilfried Groos, durchaus „komplizierten Entscheidungsprozess“ zu setzen. Siegens Bürgermeister Steffen Mues fand dazu ein Sinnbild in der Botanik: „Die Wurzeln aus Hilchenbach kommen hinzu, sie stärken die Sparkasse Siegen als noch größeres Institut“. 

Letzte Hürde vorm Zusammenwachsen war der unlängst erfolgte Siegener Ratsbeschluss. Die Freudenberger, Kreuztaler, Netphener und Wilnsdorfer Gremien hatten da bereits „Daumen hoch“ signalisiert. „Nach sehr intensiven Diskussionen“, so erinnerte Hilchenbachs Bürgermeister Holger Menzel, habe nicht nur der Verwaltungsrat der Stadtsparkasse Hilchenbach im Sommer das Zusammengehen mit der Sparkasse Siegen beschlossen, sondern auch der Stadtrat im September einmütig für den Zusammenschluss gestimmt – das jedoch keineswegs leichten Herzens (der SiegerlandKurier berichtete): Immerhin über 160 Jahre eigenständiger Verwaltung sind somit Geschichte, das wird auch so mancher Bürger bedauern. 

Der Hilchenbacher Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Werner Schäfer berichtete, dass man sich bei der Stadtsparkasse bereits seit geraumer Zeit Gedanken darüber gemacht habe, wie die Herausforderungen, vor denen die Bankenbranche stehe, am besten bewältigt werden könnten und vorausschauend handeln wollen: „Heute steht die Stadtsparkasse wirtschaftlich gesund da. Aber die Anforderungen steigen ständig.“ Nicht zuletzt die Auswirkungen der Bankenkrise, die zu massiven Regulierungen der Kreditwirtschaft geführt hätten, hätten dazu geführt, so Schäfer, dass die Anforderungen an Analyse, Auswertung, Prognose und Dokumentation und die erforderlichen Personalkapazitäten – und damit auch die -kosten – laufend stiegen. Mit anderen Worten: Der Verwaltungsaufwand ist für die weniger als 100 Mitarbeiter in den drei Hilchenbacher Filialen nicht mehr zu stemmen. 

In größter Einigkeit betonten die Beteiligten wiederholt die mit diesem Zusammenschluss verbundenen Chancen für Kunden, Mitarbeiter und Wirtschaft. Holger Menzel: „Insbesondere für die kreditwirtschaftliche Versorgung des Mittelstandes und der größeren Unternehmen, die heute für die Sparkasse Hilchenbach alleine aufgrund der Restriktionen des KWG (Anm.d.Red. Gesetz über das Kreditwesen) nur schwer oder gar nicht darstellbar war, eröffnen sich durch die Größe der vereinigten Sparkassen neue Handlungsspielräume.“ Wobei natürlich, so Wilfried Groos, grundsätzlich nach wie vor vor allem die Tragfähigkeit eines Unternehmens bei der Kreditvergabe entscheide. 

Nicole Reschke hatte noch als Mitglied des Stadtrates die letzte Fusion verfolgt: 2015 ging die Freudenberger Stadtsparkasse mit Siegen zusammen. Die Identifikation der Freudenberger mit ,ihrer' Sparkasse habe sich deshalb nicht verschlechtert, so die heutige Bürgermeisterin, auch aus unternehmerischer Sicht seien keine Beschwerden an sie herangetragen worden. „Es sind keine Phantomschmerzen geblieben.“ Ihr Kreuztaler Amtskollege Walter Kiß steht einer Stadt vor, deren Sparkasse 2003 die „Ehe“ mit Siegen einging. Er sah die Sparkassen als leuchtendes Beispiel für Interkommunale Zusammenarbeit, die ansonsten „noch viel Luft nach oben“ habe. 

Die Mitarbeiter, so versicherte Wilfried Groos, stünden dem Zusammenschluss sehr aufgeschlossen gegenüber, auch wenn sich im Einzelnen natürlich viel ändere. So wird Hilchenbach zum Beispiel keine eigene Marketingabteilung oder Buchhaltung mehr haben. Die Fusion bedeute „ein größeres, leistungsfähiges Team, in dem jeder seinen Platz hat. Alles andere ist Technik.“ Die freilich ist eine ganz eigene Herausforderung, schließlich müssen nun sämtliche Datensätze zusammengeführt und auf Richtigkeit überprüft werden, ein Probelauf im Dezember inklusive. 

  • Bilanzsumme der Sparkasse Siegen zum 31.Oktober: 3,55 Milliarden Euro. Zuzüglich Hilchenbach: 3,85 Milliarden Euro. 
  • Das selbst erwirtschaftete Eigenkapital der Sparkasse Siegen liegt zum Jahresende bei 400 Millionen Euro, hinzu kommen 30 Millionen von der Stadtsparkasse Hilchenbach.

Das ändert sich für die Kunden: 

  • Die Hilchenbacher Kunden werden eine neue IBAN bekommen, weil sich die Bankleitzahl fusionsbedingt ändert. 
  • Alle sollen frühzeitig über die betreffenden Änderungen informiert werden. Bis dahin geht alles in gewohnter Weise weiter. 
  • Sparkassen-Cards und Kreditkarten bleiben bis zur Fusion nutzbar. 
  • Das Online-Banking ist wie gewohnt über die Seite der Stadtsparkasse erreichbar Dort wird in Kürze ein FAQ (Häufig gestellte Fragen) installiert, das laufend über aktuelle Änderungen informiert. 
  • Nach dem technischen Zusammenschluss stehen den Hilchenbacher Kunden über 30 Filialen in der Region zur Verfügung.

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