Schnittstelle im Gesundheitssystem

Startschuss für den neuen Studiengang "Digital Biomedical and Health  Sciences" - 91 "Erstis" haben begonnen

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Siegen. Das Wintersemester 2019/20 an der Universität Siegen hat begonnen – und damit auch das Studium für die ersten Studierenden des neuen und deutschlandweit einzigartigen, medizinnahen Studiengangs „Digital Biomedical and Health Sciences“.

Siegen – Zwei Jahre dauerte die Vorbereitungszeit für den neuen Studiengang, der Teil der neuen Lebenswissenschaftlichen Fakultät ist. Die hat ihren Sitz im Artur Woll-Haus am Weidenauer Eichenhang. Alle Seminare finden dort statt; derzeit werden noch Laborflächen eingerichtet. Insgesamt 91 Studierende – 73 Frauen und 18 Männer – haben ihre Ausbildung in Siegen begonnen. Ein Drittel der „Erstis“ kommt aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein. 

Der wissenschaftliche Studiengang beleuchtet verschiedene Aspekte zahlreicher Berufe des Gesundheitssystems. Ziel ist es, eine Schnittstelle zu bilden, um die verschiedenen Berufe unter dem Aspekt der Digitalisierung zusammenzuführen und Kommunikationsprobleme aus dem Weg zu räumen. „Wenn man an Gesundsberufe denkt, fallen einem zuerst die Ärzte, Apotheker oder Physiotherapeuten ein. Doch es gehören auch Biochemiker oder Pharmaingenieure dazu. Und jeder Einzelne hat einen eigenen Background und eine eigene Ausbildung“, so der Studiendekan Prof. Dr. Rainer Brück bei der Vorstellung des neuen Studiengangs. Komplexe Systeme könnten jedoch zu Kommunikationsproblemen bei den Beteiligten führen. „Digital Biomedical and Health Sciences“ wolle die interdisziplinäre Kommunikation möglich machen. „Ein Arzt will beispielsweise keine Technikkompetenz“, so Brück. Der neue Studiengang könne jedoch verschiedene Interessen zusammenführen, um die Sprache aller Professionen zu sprechen. 

Grundstudium mit Schwerpunktfach

Der sechs semestrige Bachelor-Studiengang vermittelt ein breites Wissen aus den Bereichen Medizin, Naturwisschenschaften, Informatik sowie Sozial- und Gesundheitswissenschaften. Die Studierenden lernen Konzepte und Herausforderungen verschiedener Akteure der Gesundheitsversorgung kennen. Ziel ist es, akademische Fachkräfte auszubilden, die gemeinsam Innovationen in einer modernen, digitalen Gesundheitsversorgung erforschen. Der Stundenplan im Bachelor-Studiengang sieht ein allgemeines Grundlagenstudium vor mit Inhalten wie „Funktion Mensch“, „Einführung in die digitale Medizin“ oder „Medizintechnik“. Darauf aufbauend müssen sich die Studierenden für einen Schwerpunkt entscheiden. 

Im Schwerpunkt„Biomedical Technology“ beschäftigen sich die Studierenden unter anderem mit Biomedizin, Gen-, Enzym- und Zellkulturtechnik, Bioanalytik und Biotechnologie. 

Der Schwerpunkt „Digital Public Health“ hat die Gesundheit der Bevölkerung im Blick. Es werden verschiedene Aspekte wie Arbeit und Gesundheit oder Einkommen und Gesundheit in Relation gesetzt und untersucht. Dabei spielt die gesundheitliche Ungleichheit eine große Rolle. 

Im Schwerpunkt„Digital Medical Technology“ lernen die Studierenden unter anderem Kompetenzen, digitale, medizintechnische Systeme zu konzipieren, zu entwickeln und aufzubauen. Christian Jung, einer der Studienanfänger fasziniert die Kombination aus den vielen Fachbereichen. „Ich denke, man kann Wissen aus allen Bereichen ziehen und dann ins Machen kommen“, sagt er. Prof. Dr. Claus Wendt („Digital Public Health“) ist sicher, dass die Unternehmen nach dem Abschluss des Studiums Schlange stehen werden. „Wir schließen eine Lücke am Markt“, ist auch Prof. Dr. Rainer Brück sicher. Allerdings müsse jetzt der Markt auch über diesen Studiengang in Kenntnis gesetzt werden.

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