Wo wir gerne Geld ausgeben

Studie zur Attraktivität der Innenstädte: Kunden bewerteten Zentren in der Region

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Die Menschen kaufen grundsätzlich gerne regional ein. Aber: Das Angebot muss stimmen.

Siegen. Was genau macht eine Innenstadt zu einem attraktiven Einkaufsort, an dem die Menschen aus der Region gerne ihre Zeit verbringen – und ihr Geld ausgeben? Diese Frage beschäftigte auch die Mitglieder Industrie- und Handelskammer Siegen und und die Arbeitsgemeinschaften der Sparkassen und Volksbanken in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe. Um Antworten zu erhalten, gaben sie eine bundesweit einmalige Studie zur Attraktivität von Innenstädten und Zentren in beiden Kreisen bei der Strategieberatung Prof. Hanna Schramm-Klein in Auftrag.

Hintergrund des Gutachtens („Zentrumsmonitor“) sei die Situation im Einzelhandel, der sich seit einiger Zeit „immer schwerer tut“, so Jost Schneider, stellvertretender IHK-Vizepräsient. Vielen Kommunen mache die Tatsache Sorgen, dass die Kunden in Nachbarkommunen oder sogar weiter entfernte Kommunen ausweichen.

4602 Personen in 23 Stadtgebieten wurden befragt. Die Teilnehmer bewerteten zum einen die generelle Attraktivität der regionalen Innenstädte unter den Aspekten Sicherheit, Sauberkeit, ausreichende und günstige Parkplätze oder wie gut sie die Zentren mit dem Auto (für die Befragten das wichtigste Kriterium für die Attraktivität) oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Auch nach dem Ambiente und der „Lebendigkeit der Zentren“ wurde gefragt. Beim Ambiente haben Freudenberg, Neunkirchen und Olpe die Nase vorn.

Die Studie zeigt außerdem, dass vor allem Kirchhundem, Neunkirchen und Burbach bei den Befragten in Sachen Erreichbarkeit punkten. Wichtig war den Teilnehmern der Studie vor allem das Angebot an Ärzten bzw. Apotheken, die Freundlichkeit des Personals und dessen Beratungskompetenz, das sie laut Studie aber eher als mittelprächtig empfinden.

Auch mit dem Einzelhandelsangebot waren die Befragten relativ zufrieden. Spitzenreiter ist hier Eiserfeld, gefolgt von Freudenberg und Olpe. Gefragt wurde in diesem Zusammenhang auch nach dem Lebensmittelangebot, das generell gut bewertet wird, nach dem Kultur- und Freizeitangebot sowie Gastronomie- und Dienstleistungsangeboten.

Als ausbaufähig empfinden die Befragten dagegen das Einzelhandelsangebot in den Bereichen Mode, Sport, Spiel und Hobby sowie Unterhaltungselektronik. In Sachen Mode, laut Schramm-Klein „das Profilierungssegment in Innenstädten“, sehen die Befragten Olpe ganz vorn, Weidenau wird beim Angebot an Unterhaltungselektronik gut bewertet.

Die Ergebnisse zeigen auch: Die Menschen kaufen grundsätzlich gerne in den Geschäften in der Region ein – auch die jüngeren. Das Kaufverhalten zwischen Stadt und Land unterscheide sich in beiden Kreisen praktisch nicht.

Dennoch nehme die regionale Orientierung beim Einkaufen mit Blick auf die jüngeren Altergruppen dramatisch ab. Auf die Frage, wohin die Kaufkraft abfließt, gibt die Studie ebenfalls Antworten: 30 Prozent „kaufen fremd“, also in anderen Kommunen oder Städten ein. Dafür fahren sie auch mal weiter weg: Köln befindet sich ebenfalls unter den alternativen Einkaufsorten. Hinzu kommt – natürlich – das Online-Shopping: Ein Fünftel der Befragten shoppt bereits jetzt im Netzt. Damit müsse man in den kommenden Jahren verstärkt rechnen, so Schramm-Klein. Das Kauffverhalten werde sich stark verändern.

Das überraschendste Ergebnis: Die Attraktivität der Innenstädte habe keinerlei Einfluss auf den Anteil der Internetkäufe. Plan- und Bequemlichkeitskäufe im Netz könne man nicht verhindern.

Trotzdem kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: Um die Innenstädte für die Zukunft aufzustellen und die Kaufkraft – insbesondere der jüngeren Generation – zu halten und zu sichern, müsse das Angebot auch zukünftig stimmen, so Schramm-Klein.

Obwohl die einzelnen Städte in den jeweiligen Bereichen miteinander verglichen werden, gehe es beim „Zentrumsmonitor“ nicht darum, ein Ranking zu erstellen oder einzelne Kommunen vorzuführen, sondern darum, Prozesse anzustoßen, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „Wir wollen eine Datengrundlage schaffen, keine Haltungsnoten vergeben.“ Für jedes Zentrum ergebe sich ein Profil, das Stärken und Schwächen aufzeige – an denen die Kommunen zusammen mit den Werbegemeinschaft arbeiten können.

Das sehen auch die Bürgermeister der 18 Kommunen ähnlich, denen die Ergebnisse bereits vorgestellt wurden. Alle Kommunen erhalten die Auswertungen, die – wenn gewünscht – auch im Detail vorgestellt werden.

Wir sind dankbar für diese Studie in ihrer Komplexität“, so das Fazit von Walter Kiß, Bürgermeister der Stadt Kreuztal. Sie mache sichtbar, an welchen Stellschrauben gedreht werden müsse.

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