IHK stellt neue Umfrageergebnisse vor

Konjunktur-Talfahrt vorerst gestoppt - Coronavirus ist ein unbekannter Faktor für die heimische Wirtschaft

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Die Lage in der Industrie ist weiterhin angespannt, hat sich aber etwas gebessert.

Siegerland – „Die Talfahrt der letzten zwei Jahre ist erst einmal gestoppt“, erklärte jetzt IHK-Präsident Felix G. Hensel bei der Präsentation der Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, an der sich 547 Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligt haben.

Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, betonte, dass das Konjunkturbild ein „halbwegs passables Gesamtergebnis“ darstelle und drückte gleichzeitig auf die Euphoriebremse. „Wir hatten uns mehr erhofft. Berauschend ist anders.“

Zudem seien in der aktuellen Umfrage noch nicht die Ereignisse der letzten vier Wochen berücksichtigt. Hierzu zählt der Ausbruch des Coronavirus in China oder die Ereignisse im Thüringer Landtag.

Regierungskrise in Thüringen

Hensel schätzt allerdings die Auswirkungen der Regierungskrise in Thüringen auf die heimische Wirtschaft als eher gering ein.

Coronavirus in China

Die Folgen des Coronavirus werden hingegen auch die Unternehmen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe spüren, so die Einschätzung der Wirtschaftsexperten. 

Vielen dämmere es, dass die Produktionskette durch das Virus durcheinandergewürfelt wird, so Gräbener. Durch die globalen Verflechtungen sei es schließlich heutzutage nicht mehr egal, wenn der sprichwörtliche Sack Reis in China umfalle. Je größer die Verflechtung, desto größer sei die Gefahr, dass auch heimische Unternehmen von globalen Großereignissen betroffen sein könnten, erklärten die Experten.

Brexit

In Bezug auf den jetzt eingeleiteten Brexit seien die Auswirkungen „noch nicht gravierend“, sagte Hensel. Dies könne sich bis zum Ende des Jahres aber noch ändern. Gräbener glaubt, dass viele Unternehmen froh darüber seien, dass im Zusammenhang mit dem Brexit zumindest eine Entscheidung gefallen und der Schwebezustand beendet sei.

Allgemeine Lage

Bei der Erhebung der Stimmungslage blickte die heimische Wirtschaft zum Jahresende 2019 zumindest positiver in die Zukunft als noch im Herbst.

So erwarten 19 Prozent der heimischen Unternehmen in den kommenden Monaten bessere Geschäfte, eine Steigerung von sechs Prozent, heißt es in einer Presseinfo der IHK. 25 Prozent gehen von schlechteren Geschäften aus, vier Prozent weniger als noch im Herbst. „Mehr als ein Drittel der hiesigen Unternehmen bewertet ihre Geschäftslage als gut, etwa die Hälfte als befriedigend“, heißt es weiter. Die negativen Lagemeldungen stagnieren bei 16 Prozent. „Die positivere Einschätzung der Auftragseingänge nährt die Hoffnung auf bessere Geschäfte“, so Hensel. Erstmals seit zwei Jahren hätten sich diese im IHK-Bezirk wieder positiver entwickelt.

Lage in den Branchen

Nach zwei Jahren des Rückganges stiegen in der heimischen Industrie zudem wieder die Umfrageergebnisse zur aktuellen Geschäftslage und zu den Geschäftserwartungen. Nur „ein Fünftel bewertet ihre Geschäftslage weiterhin als schlecht“, teilt die IHK mit. 22 Prozent hingegen rechnen in den kommenden Monaten mit besseren Geschäften. Dies sei eine Steigerung von neun Prozent im Vergleich zur Herbstumfrage. „Auch wenn sich die Stimmung zum Jahreswechsel aufgehellt hat, bleibe für die Industrie die Situation angespannt“, so Gräbener. 

Die Lage im Baugewerbe sei hingegen weiterhin sehr gut. „Der Boom am Bau setzt sich weiter fort“, erklärte Stephan Häger, Leiter des IHK-Referats Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik. „Neun von zehn Unternehmen melden uns steigende beziehungsweise gleichbleibend hohe Auftragseingänge.“

Die Lagebeurteilung im Einzelhandel sei aufgrund des guten Konsumklimas weiterhin auf einem guten Niveau. „94 Prozent der Einzelhändler beurteilen ihre Situation als gut oder befriedigend, nur sechs Prozent als schlecht“, so die IHK.

Die Stimmung der Großhändler habe sich leicht verbessert. 17 Prozent – vier Prozent mehr als im Herbst – erwarten in den kommenden Monaten bessere Geschäfte. Die Lagebeurteilung in der Dienstleistungsbranche und im Gastgewerbe sei ebenfalls gut.

Arbeitsmarkt

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird ebenfalls positiv eingeschätzt. „Noch nie gingen in unserer Region mehr Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach wie im Jahresdurchschnitt 2019. In der Industrie waren so viele Menschen angestellt wie zuletzt Anfang der 1990er Jahre“, so Hensel abschließend.

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