"Neue Poesie des Widerstands"

Theater für die Zukunft: Neues Apollo-Spielzeitbuch ist da

Das Deutsche Theater Berlin führt am 8. Februar das Stück "Let Them Eat Money. Welche Zukunft?!" auf.

Siegen. Das gibt es auch nicht alle Tage. Pressetermin mitten im Dschungel. Ringsum alles grün. Gestrüpp, Lianen und bei den nahezu tropische Temperaturen kommt der Siegerländer doch ein wenig ins Schwitzen. Fehlt nur noch, das „King Loui“ vorbeischwingt, Tiger Shir Khan aus dem Gebüsch springt oder die Schlange Ka sich um einen Ast schlängelt. Nein, der Termin fand nicht am Amazonas statt, sondern auf der Bühne des Siegener Apollo-Theaters. Mitten im Bühnenbild des Kinderstücks „Das Dschungelbuch“.

Ein solches Szenario kann nur eines bedeuten: Die 13. Spielzeit des Apollo-Theaters steht kurz bevor. „Die Überschrift „For Future“ für die Spielzeit 19/20 ist mehr als nur ein Motto“, sagt Apollo-Intendant Magnus Reitschuster. Es gehe darum, den Spagat zu schaffen zwischen „Haltung und Unterhaltung, Profil und Breitenwirkung, Verantwortung für die Zukunft und die Gegenwärtigkeit des unmittelbaren Theatererlebnisses. Dieser Herausforderung müsse sich das Theater mit jedem neuen Spielplan stellen. Die Frage sei: „Wie politisch darf, wie politisch muss ein Theater sein in diesen Zeiten der Klimakriese, der populistischen Bedrohung des Gemeinwesens und der weltweiten Migrationbewegungen?“ Im Programm finden sich daher unter anderem das Stück „Let Them Eat Money. Welche Zukunft?!“ des Deutschen Theaters Berlin, das in jeder Spielzeit in Siegen gastiert. Das Stück wagt einen Ausblick auf das Jahr 2028.

Auch die Eigeninszenierung „Ich atme gerne Sauerstoff“ des Jungen Apollos (JAp) beschäftigt sich im Oktober mit einem brandaktuellen Thema: Der Klimabewegung „Fridays-for-Future“. Für ihn sei die Bewegung „eine neue Poesie des Widerstands“.

Die neue Spielzeit kann kommen: Die Verantwortlichen des Apollo-Theaters stellten in dieser Woche das neue Programm vor. Im Hintergrund zu sehen: Die nagelneuen Sitze fürs Publikum.

Mit dem Stück „Fußball.Frauen.Siegen“ gehe das Apollo in die Historie der Stadt Siegen und frage sehr heutig nach der Geschlechtergerechtigkeit in dieser Männerdomäne. Deshalb ist die Premiere am 18. April 2020 auch den Frauen vorbehalten. „Wir haben 50 Ehrenplätze für die Veteraninnen des damaligen Siegener Fußballwunders und die aktiven Nationalspielerinnen reserviert“, berichtete der Intendant. Für alle weiteren Aufführungen sind die Männer dann aber wieder herzlich willkommen.

Passend zum Thema „For Future“ hat Reitschuster die „Dschungelbuch-Trilogie“ inszeniert: Eine Uraufführung, der Rudyard Kiplings „Dschungelbücher“ zugrunde liegen. Die Trilogie knüpft an das Kinderstück „Das Dschungelbuch“, das vor zwölf Jahren mit fast 25.000 Besuchern die bestbesuchte Vorstellung im Apollo gewesen sei und auch in diesem Jahr aufgeführt wird, so Reitschuster. Die Trilogie beschäftigt sich damit, was mit Mogli passiert, nachdem er zu den Menschen zurückgekehrt ist und nun als eine Art Brückenbauer zwischen Dorf und Dschungel fungiert. Die Aufführung sei „ein Schauspiel vom Verhältnis von Dorf und Dschungel, Tieren und Menschen im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie“.

Mark-Harvey Mühlemann aus Berlin spielt Mogli im Kinderstück „Dschungelbuch“ und auch den „Mann namens Mogli“ in der Trilogie. Samira Vinciguerra übernimmt im Kinderstück die Rolle der Pantherdame Baghira und spielt Moglis Frau in der Trilogie.

Während sich beim Termin vor Ort auf der Bühne alles um die Inhalte der Spielzeit 19/20 drehte, wurde im Zuschauerraum noch fleißig gewerkelt: Die rund 530 Stühle werden derzeit komplett erneuert, der Saalboden ist abgeschliffen, gebeizt und versiegelt worden. „Rund 200.000 Euro investiert die Stadt als Eigentümerin des Hauses in die neuen Stühle“, berichtete Bürgermeister Steffen Mues – allesamt Sonderanfertigungen, versteht sich. Auch wenn das Publikum wahrscheinlich auf den ersten Blick keine Veränderung wahrnehmen wird, denn die neuen Sitze sehen genauso aus wie ihre Vorgänger.

Mues betonte, dass das Siegener Theater eine „Erfolgsgeschichte“ sei und sicherlich dazu beigetragen habe, die Stadt ein Stück weit attraktiver zu machen. Die seit Jahren konstant hohen Besucherzahlen zeigten, so der Bürgermeister, „welche Attraktivität das Apollo-Theater für die Menschen in der Region hat“. Rund eine Million Euro gebe die Stadt jährlich für das Theater aus, inklusive Gebäudekosten, Personal und Spielbetrieb. „Aber das ist gut investiertes Geld.“

Auch Magnus Reitschuster und Prof. Herbert Landau, Vorsitzender des Trägervereins, zeigten sich zufrieden mit den Zahlen der jüngsten Spielzeit, in der 95.000 Besucher zu den Veranstaltungen strömten. „Insbesondere war die letzte Spielzeit finanziell äußerst erfolgreich“, so Reitschuster, „Obwohl die Beiträge des Fördervereins um 49.000 Euro unter dem Plan blieben, erreichten wir eine schwarze Null und mussten nicht einmal auf die ebenfalls eingeplanten Rücklagen zurückgreifen.“ 

Das aktuelle Spielbuch liegt vor dem Apollo am Scheinerplatz aus. Das gesamte Programm der Spielzeit 19/20 findet sich aber auch unterwww.apollosiegen.de.

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