20 Jahre Ateliergeschichte beendet: Thomas Kellner sucht neues "Zuhause"

Aufgrund des bevorstehenden Umzuges der Universität in das Herz der Stadt Siegen muss Thomas Kellner bald sein Atelier verlassen.

Siegen. Nach 20 Jahren neigt sich für den Siegener Fotokünstler Thomas Kellner die Zeit in seinem „Atelier Friedrichstraße“ dem Ende zu. Aufgrund des bevorstehenden Umzuges der Universität in das Herz der Stadt Siegen muss Kellner bald sein Atelier verlassen und ist aktuell tatkräftig auf der Suche nach einer neuen Immobilie.

Zwei Jahrzehnte Ateliergeschichte ziehen um, was nicht nur den Umzug großer Kunstwerke und ein Topf voller Ideen bedeutet. Von der Kaffeemaschine über Bücher, Blumentöpfe, Kühlschrank und Büroeinrichtung bis hin zum Werkzeug muss alles mit – ein ganzes Atelier eben.

Doch das nahende Ende des alten Ateliers ist zugleich die Geburt einer Vision und der Neubeginn von etwas Großem. Kellner möchte ein Künstlerhaus gründen. Da das ursprüngliche Konzept des Künstlerhauses in der Friedrichstraße nicht mehr zu verwirklichen ist, muss dieses an neuer Stelle Fahrt aufnehmen. Der Siegener ist nicht nur gut im Fotografieren und Kuratieren, er ist auch ein wahrer Netzwerkkünstler. Er schaffte ein globales Netzwerk, indem er bereits die Werke von Künstlern aller Erdteile in seinem Atelier ausstellte. Auf allen Kontinenten ist er mit Galeristen, Kuratoren, Journalisten, Verlegern und anderen wichtigen Personen der Kunstszene vernetzt.

Seit 20 Jahren pendelt Kellner zwischen seiner Wohnung und dem Atelier, dem Atelier und dem Flughafen aber auch zwischen Metropolen und seinem Zuhause. „Mein Atelier ist das Zentrum der Kreativität, an dem Ideen für neue Werke entstehen“, meint der Künstler. „Gleichzeitig aber auch die Werkstatt und das Labor, in dem aus den Fotoaufnahmen Kunst wird. Es dient ebenso als Lager und Logistikzentrum zur weltweiten Distribution meiner Kunst sowie als Planungsstätte für Reisen, Fotoaufnahmen und alles, was dazugehört.“ 2018 blickte Kellner auf 20 Jahre Ateliergeschichte zurück und feierte das Jubiläum am 30. September mit einem „offenen Atelier“.

Schon bald wird sein Atelier den städtischen Bebauungsplänen für das Quartier Friedrichstraße der Uni weichen müssen, weshalb der Befürworter des Konzeptes „Uni in die Stadt“ sich nun selber auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie befindet. Er hat Pläne, die weit über sein eigenes Atelier hinausreichen und an das Ursprungskonzept des Künstlerhauses anknüpfen. Ein Künstlerhaus bietet mehrere Atelierplätze und einen meist temporären Austausch zwischen Künstlern. Es ist ein künstlerischer Produktionsort, an dem die schaffenden Künstler sich ohne Ablenkung einzig und allein auf ihre Kunst konzentrieren können. Die Zeit im Künstlerhaus soll vergleichbar sein mit der einer Klausur oder einem Besuch im Kloster.

„Ein Künstlerhaus mit mehreren Ateliers kann wie ein guter Curry sein, mit exotischen, schmackhaften Gewürzen, die zusammen ein einzigartiges Gericht ergeben.“, so Kellner, der sowohl in seiner Freizeit als auch in der Mittagspause leidenschaftlich gerne kocht. Für das Siegener Künstlerhaus soll es eine Immobilie zum Kauf sein, in der der Fotokünstler zunächst sein Atelier unterbringen und, wenn es die Räumlichkeiten zulassen, am liebsten auch anderen aufstrebenden Künstlern ein kostengünstiges Atelier zur Verfügung stellen kann.

Das Konzept beinhaltet verschiedene Möglichkeiten, wie die der Errichtung eines Gastateliers mit kleinem Apartment und eines Ausstellungsraumes innerhalb des Künstlerhauses. Auch ein Kunst-Café oder Einheiten für ganz normale Gewerbetreibende seien an dieser Stelle denkbar. Durch diese Vernetzungen sollen nach Kellner künstlerische Potenziale gebündelt und an die Region gebunden werden. Er sieht die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit der Universität Siegen beispielsweise bei der Vergabe eines Studienpreises und steht auch einer Kooperation mit Verbänden aus dem Bereich der Wirtschaft, wie der IHK Siegen, positiv gegenüber.

Hinsichtlich der Art und Größe der Immobilie zeigt sich Kellner flexibel und offen für verschiedenste Angebote charmanter Bauwerke, welche sich für eine Umnutzung eignen. „Jedes Angebot ist interessant, egal, ob es sich um leerstehende Bürohäuser, Gewerbehallen, eine alte Werkstatt, eine Kirche oder eine historische Schmiede handelt“, betont der Künstler.

Optimalerweise sollte die Immobilie Möglichkeiten für Küche und Bad hergeben. Auch ein Keller als Lagerraum wäre von Vorteil. Bei der Lage will der Siegener ungern Abstriche machen. „Je zentraler, desto lieber“, erklärt Kellner, dem besonders daran gelegen ist, die urbane Kunstszene möglichst lebendig zu halten. Er sieht auch durch den Umzug der Uni in die Stadt große Chancen für die Kunstszene seiner Stadt, die dadurch eine Verjüngungskur bekommt. Kellner hält Kunst in der Rubensstadt allgemein für notwendig. „Die Kunstproduktion gehört in das urbane Oberzentrum und nicht in die einer flurbereinigten Außenbezirke von Groß Siegen-Wittgenstein.“

Den Umzug seines Ateliers sieht der Künstler als willkommenen Anlass einer Zäsur. Das Aufräumen der langjährigen Ideenküche schafft Raum für Neues und verleiht Inspiration für neue kreative Rezepte. Die Dekonstruktion von etwas Vorhandenem als Quelle für die Entstehung von etwas Neuem – das zeichnet die Kunst von Thomas Kellner aus. Unter dieser Voraussetzung wird er in den kommenden Jahren auch sein neues Atelier und vielleicht in großer Dimension ein Künstlerhaus zu einem einzigartigen Ort verschiedener Künste werden lassen.

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