Ein vielleicht letzter Blick in den Tiefbunker an der Hindenburgstraße

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Die Herrentoilette im Tiefbunker Hindenburgstraße

Siegen. Elf Hochbunker und zwei Tiefbunker wurden zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges in Siegen errichtet. Der letzte, heute noch begehbare Tiefbunker, ist der in der Hindenburgstraße. Doch auch dieses Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg könnte es bald nicht mehr geben. Wir durften uns dort einmal umschauen.

Maßgeblich verantwortlich für den Bau der Bunker war damals der Siegener Oberbürgermeister Alfred Fißmer. er war nicht nur Bürgermeister, sondern auch örtlicher Luftschutzleiter. Und da Siegen als "Standort kriegswichtiger Rüstungsindustrie" galt, war die Stadt Siegen ein potentielles Ziel von Luftangriffen. Im Stadtgebiet wurden deshalb viele Bunker errichtet. Einer von ihnen ist der Tiefbunker in der Hindenburgstraße. 1939 starteten die Bauarbeiten; 1941 wurde der "Hindenburgbunker" als „eindeckungsfertig“ beschrieben. 500 Menschen fanden in dem Bunker Schutz.

Heute hat der Bunker in der Hindenburgstraße keine Bedeutung mehr. Aus Sicht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe ist der Tiefbunker kein kulturelles Erbe und muss nicht unter Denkmalschutz gestellt werden. Der Bunker ist auchkein öffentlicher Schutzraume der Zivilschutzbindung mehr. Dies bedeutet, dass der Schutzraum zur uneingeschränkten Nutzung zur Verfügung gestellt wurde.

Blick in den Siegener Tiefbunker an der Hindenburgstraße

Was jetzt im Zuge der Neugestaltung des „Johann-Moritz-Quartier“ mit dem Tiefbunker geschieht, ist noch unklar. Fest steht: Der Investor plant auf dem Areal drei Tiefgeschosse, so dass ein Teil des Bunkers in jedem Fall zerstört wird. Der Rest könnte mit Beton verfüllt werden. Ob dieser Plan umgesetzt wird, hängt jetzt von der Stadt Siegen ab, da der größte Teil des Tiefbunkers auf städtischem Boden liegt. Klar ist aber: Die 1,40 Meter dicke Decke bröckelt ab und das Grundwasser ist tief in Wände und Boden eingedrungen. In Kürze werden Gespräche zwischen dem Investor und der Stadt geführt. Vorsichtshalber haben am Dienstag (25. Februar) schon mal Archäologen aus Olpe eine Foto-Dokumentation des Bunkers angefertigt.

Hintergrund

Ein Investor plant auf dem Areal, wo jetzt noch das Barmenia-Gebäude steht, das „Johann-Moritz-Quartier“. Dafür werden einzelne Gebäude abgerissen. Auf dem 4000 Quadratmeter großen Areal wird ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage errichtet. Im Erdgeschoss des Neubaus werden neue Räumlichkeiten für Ladenlokale entstehen. In den oberen Etagen sind unter anderem Büro- und Seminarräume für die Universität Siegen, ein Boardinghouse und Wohnungen geplant. Am Dienstag (25. Februar) haben die Bauarbeiten für das neue Areal begonnen. 

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