Reaktionen auf den Antrag der Diakonie, eine Neurologie etablieren zu wollen

Traum vom Medizinstudium in Siegen gerät ins Wanken - "Projekt funktioniert nur im Verbund aller vier Kliniken"

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Ob der Traum vom Medizinstudium in Siegen bald ausgeträumt ist, bleibt abzuwarten.

Siegen. Im Streit um den Antrag des Diakonie-Klinikums, eine Neurologie etablieren zu wollen, hat sich nun auch Dr. Thomas Grünewald eingeschaltet. Der ehemalige Staatssekretär im NRW-Forschungsministerium hat maßgeblich am „Masterplan Medizinstudium 2020“ mitgearbeitet und begleitet das Projekt "Medizin neu denken".

In einer Pressekonferenz im Kreisklinikum äußerte sich heute (17. Juni) zunächst der Geschäftsführer Bertram Müller besorgt über die derzeitigen Entwicklungen. Der SiegerlandKurier hatte bereits am Freitag exklusiv darüber berichtet, dass das Diakonie-Klinikum den Antrag auf Ausweisung von 42 Betten Neurologie gestellt hat. Für das Kreisklinikum Siegen vollkommen unverständlich. Der Bedarf sei gedeckt, es gebe überhaupt keinen Grund, eine zweite neurologische Fachabteilung im Versorgungsgebiet vorzuhalten. Bertram Müller sprach von Wortbruch und kündigte an, dass unter solchen Voraussetzungen ein Miteinander nicht mehr möglich sei. 

Nur zu viert kann das Gerüst getragen werden

Dass dieser Antrag auch große Auswirkungen auf das Projekt "Medizin neu denken" haben könnte, machte Dr. Thomas Grünewald, der das Projekt "Medizin neu denken" in Siegen für die Universität begleitet, deutlich. Er fasste noch einmal kurz die wichtigsten Vereinbarungen und Fakten zusammen. Das Wichtigste: In der Grundsatzvereinbarung 2017 seien sich alle vier Krankenhäuser sowie die Universität einig gewesen, dass das Universitäts-Studium nur machbar ist, wenn alle an einem Strang ziehen und wenn jedes Krankenhaus seinen medizinischen Schwerpunkt setzt, damit alle vier Kliniken zukünftig wie eine Universitätsklinik agieren können. Nur zu viert könne dieses Gerüst getragen werden. Die medizinischen Schwerpunkte beziehungsweise Spitzen wurden klar festgelegt: Diakonie Klinikum: Gastroenterologie; DRK-Kinderklinik: Pädiatrie; Kreisklinikum: Neurologie und Marien-Krankenhaus: Kardiologie. Gerade mit diesem Hintergrund scheint der Vorstoß des Diakonie-Klinikums, nun auch eine neurologische Fachabteilung etablieren zu wollen, unverständlich. 

"Wir sind grenzenlos geduldig"

Grünewald machte klar: "Wenn der Traum von einem eigenen Medizinstudium in Siegen wahr werden soll, dann funktioniert das nur mit solidarischem Miteinander und nur im Verbund aller vier Kliniken", sagte Grünewald. Das Verhalten und das faktische Tun des Diakonie-Klinikums sei dem Konzept "Medizin neu denken" nicht zuträglich. Die Unternehmensstrategie des Diakonie-Klinikums sei scheinbar auf Maximierung ausgelegt. 

Was ebenfalls Sorgen macht: Im Rahmen des Projekts "Medizin neu denken" gibt es zum Austausch einmal im Monat eine Planungskonferenz aller Beteiligten. Die Vertreter des Diakonie-Klinikums hätten bereits seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr an diesen Konferenzen teilgenommen. Wie es nun weitergeht und ob das Medizinstudium in Siegen nun auf der Kippe steht, bleibt abzuwarten. "Fakt ist, dass wir die Türe nicht zu machen. Die Diakonie ist herzlich eingeladen, wieder mit uns zu sprechen. Wir sind bereit, miteinander zu reden. Wir sind grenzenlos geduldig", so Grünewald abschließend. 

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