Freunde sind erschüttert: "Er ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration"

Trotz Ausbildungsplatz: 18-Jähriger aus Afghanistan soll abgeschoben werden

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In seiner Volleyball-Gruppe, die wöchentlich in der Siegener Kreissporthalle trainiert, hat der 18-jährige Safi viele Freunde gefunden. sie sind entsetzt, dass er abgeschoben werden soll. 

Siegen/Wilnsdorf. Um ihn vor der Taliban zu schützen, hat seine Mutter Schlepper bezahlt, die ihn in Sicherheit bringen sollten. Weit weg von Afghanistan, weit weg vom Terror, weit weg von den Menschen, die ihn gegen seinen Willen zum Teil ihres blutigen Glaubenskrieges machen wollten.

Wieder einmal ist Safi schneller als die anderen. Flink hechtet er heran und bringt den fast schon verloren geglaubten Ball wieder ins Spiel, bevor der den Boden berühren kann. Seine Mannschaft klatscht ihn ab. Safi jubelt und strahlt. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt er. Deutsche Redewendungen mag er. Innerhalb kurzer Zeit hat er sich die deutsche Sprache angeeignet. „Das ist die Basis in einem fremden Land, wo man niemanden kennt“, erklärt er.

Seit Januar 2016 lebt Safi A. in Deutschland, derzeit in einer Wohngruppe in einem Wilnsdorfer Ortsteil. Sein Deutsch ist fließend. Er besucht die Schule. Macht Sport im Verein. Im August würde er eine Ausbildung in Siegen beginnen. Würde – denn sein Asylantrag wurde nicht bewilligt.

Vater seit zwei Jahren spurlos verschwunden

Safi war gerade einmal 17 Jahre alt, als er nach Deutschland kam. Drei Monate lang war er vorher auf der Flucht gewesen. „Das war keine leichte Zeit“, erinnert er sich. „Jederzeit stand ich in Gefahr, durch die iranische oder pakistanische Polizei erschossen zu werden.“ Safi weiß, wie Angst schmeckt. Das Leben in seiner Heimat war bestimmt von dieser Angst. Als Ältester von insgesamt fünf Geschwistern hatte er das Privileg, zur Schule zu gehen. „Das war irgendwann durch Taliban und IS nicht mehr möglich.“ Sein Vater verschwand vor zwei Jahren. Niemand weiß bis heute, was mit ihm geschehen ist. Logar ist eine schlimme Stadt“, sagt er nur. Safi ist zerrissen. Er vermisst seine Mutter, sehnt sich nach seinen Geschwistern. Und doch bedeutet für ihn das Siegerland seine neue Heimat. „Und Frieden“, wie er sagt. Zunächst besuchte er das Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium, dann meldete er sich am Berufskolleg an.

Einen Ausbildungsplatz ab August hat er bereits sicher. In seiner Volleyball-Gruppe, die wöchentlich in der Siegener Kreissporthalle trainiert, hat er viele Freunde gefunden. „Sie sind alle so nett zu mir, und ich werde sie nie wiedersehen, wenn ich wieder zurückgeschickt werde.“

Chancen für Verbleib stehen nicht gut

Safis Chancen auf einen dauerhaften Verbleib in Deutschland stehen nicht gut. Eine Abschiebung zurück nach Afghanistan wäre aber lebensbedrohlich. Für ihn und für seine ganze Familie.

„Das wäre in jeder Hinsicht eine Katastrophe“, sagt auch sein Volleyball-Trainer. „Wie kann man jemanden zurückschicken, der so wissbegierig ist und der so schnell lernt wie er? Safi ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration.“

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