"Türen sind aufgegangen"

Hochkonjunktur: Bald wird es voll auf heimischen Schrottplätzen. Foto: Maren Beßler

Das Telefon ist besetzt. Wieder einmal. Dann ein Freizeichen und der gewollte Gesprächspartner geht tatsächlich ran. Doch die Freude darüber wird in nullkommanichts gebremst. "Tut mir leid, ich habe überhaupt keine Zeit, vielleicht morgen."

Es ist wahrlich nicht leicht, in diesen Tagen den Verkaufsleiter eines Autohauses an die Strippe zu bekommen. Volle Terminkalender und unzählige Kundengespräche sind die Gründe dafür. Ein Indiz, dass die von der Bundesregierung beschlossene Abwrackprämie Wirkung zeigt und der angekündigte Ansturm auf Neuwagen auch in der Region einsetzt.

Tatsächlich: Noch vor ein paar Wochen herrschte gähnende Leere in den Verkaufsräumen der heimischen Autohäuser. Nun seit Bekanntgabe der Abwrackprämie ein völlig anderes Bild: Zahlreiche Kunden tummeln sich in den Verkaufsräumen zwischen Neu- und Jahreswagen. Dirk Büdenbender vom Autohaus Büdenbender ist "beeindruckt von der großen Nachfrage". Besonders im Kleinwagensegment sei der Verkauf seit Bekanntgabe der Umweltprämie in die Höhe geschnellt. In der letzten Woche habe er viermal so viele Kleinwagen wie üblich verkauft, freut sich der Geschäftsführer. Die meisten seiner Kunden hätten eigentlich gar nicht mit dem Gedanken gespielt, sich ein neues Auto zu kaufen. Vor allem die Marke Hyundai werde stark nachgefragt. "Da gibt es Kleinwagen schon ab 8500 Euro und rechnet man die Abwrackprämie ab, bekommt der Kunde einen kleinen Neuwagen für 6000 Euro." 2500 Euro als Prämie erhält, wer sein mindestens neun Jahre altes Auto verschrotten lässt und sich zugleich einen Neuwagen oder einen höchstens zwölf Monate alten Gebrauchtwagen anschafft oder least.

Über mangelnde Nachfrage kann sich auch Thorsten Kuschina vom Autohaus Ford Wahl nicht beklagen. 30 Prozent mehr Kundenfrequenz habe es in den letzten zwei Wochen gegeben. "Jeder Dritte will Details zur Abwrackprämie wissen", so Kuschina. Auch im Autohaus AFG in Seelbach herrscht in den letzten Tagen rege Betriebsamkeit. Und Geschäftsführer Frank Günther gibt hat einen Tipp: "Die Prämie wird natürlich auch bei Re-Importen bezahlt. So kann man doppelt sparen."

Für Elmar Moll, Obermeister der Innung des Kfz-Gewerbes Westfalen-Süd, ist der Beschluss der Bundesregierung ein "Schritt in die richtige Richtung". "Wir hatten noch nie so eine große Nachfrage nach Kleinwagen wie bisher. Die Prämie sorgt für eine wahre Belebung des Publikumsverkehrs. Die Türen sind aufgegangen und werden hoffentlich auch nicht so schnell wieder zugehen", hofft Moll.

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