Umfrage der IHK und der Kreishandwerkerschaft 

Umfrage bei Betrieben: Azubi-Ticket wird kaum genutzt - Streckenausbau und dichtere Taktung nötig

+
Nur 700 von 10.000 Anspruchsberechtigten in Siegen-Wittgenstein und Olpe nutzen das Azubi-Ticket. Der Grund: Die ÖPNV-Anbindungen sind nicht gut und die Taktung nicht dicht genug.

Siegerland/Olpe – Für 82 Euro im Monat mit Bus und Bahn quer durch NRW – das soll das seit dem Ausbildungsstart am 1. August gültige Azubi-Ticket den Lehrlingen in Nordrhein-Westfalen ermöglichen. Aber nutzen die Azubis diese Möglichkeit auch? Dieser Frage sind jetzt die Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Kreise Siegen und Olpe und die Kreishandwerkerschaft nachgegangen und haben eine Umfrage bei den heimischen Unternehmen gestartet.

„Grundsätzlich sehe ich das positiv, dass was getan wurde für die Wirtschaft“, leitet Jürgen Haßler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, bei der Vorstellung der Ergebnisse ein. Das große „Aber“ folgte allerdings auf dem Fuße. Das Angebot nutze nicht viel, wenn die Azubis nicht mit Bus und Bahn von A nach B kommen.

Fast jeder dritte Betrieb (32 Prozent) ein hohes Interesse seiner Auszubildenden an dem neuen Angebot. Wie IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener anhand der vorliegenden Zahlen allerdings deutlich machte, nutzen derzeit nur 700 von 10.000 Anspruchsberechtigten in beiden Kreisen überhaupt das Azubi-Ticket. Zwei Drittel davon setzen auf das ausschließlich für Westfalen geltende Ticket, das 62 Euro kostet. Nur ein Drittel nutzt das neue „NRWUpgrade“.

Die Mehrheit der Azubis (64 Prozent) hat nach Einschätzung der Betriebe aber kaum oder gar kein Interesse daran. Grund sind die strukturellen Nachteile der Region: Gerade die Industriegebiete in ländlichen Gebieten seien mit Bus und Bahn nur schlecht erreichbar.

Die Betriebe bemängeln außerdem eine unzureichende zeitliche Abdeckung und lange Wartezeiten. Aus diesem Grund gaben drei von vier Unternehmen an, dass zunächst das Streckenangebot ausgebaut werden muss.

Auch der frühe Arbeitsbeginn beispielsweise in Industriebetrieben sei von Nachteil – es fahren vor 6 Uhr einfach nicht genügend Busse. 80 Prozent der 212 an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen sind der Überzeugung, dass der ÖPNV-Takt verdichtet werden muss. Mehr Strecken und eine höhere Taktung seien somit Voraussetzung dafür, dass das Angebot auch genutzt wird.

Der Großteil der Azubis – 72 Prozent – nutzt daher noch immer bevorzugt Auto, Moped und Mofa – oder auch das „Eltern-Taxi“ – um zur Arbeit zu kommen.

Fazit: „Das Angebot läuft überwiegend ins Leere“. so Gräbener. Das Ticket sei eine Förderung, die vordergründig denjenigen helfe, die in Ballungsgebieten wohnen. Darüber hinaus stelle sich die Frage, ob diejenigen, die ein solches Ticket haben, auch wirklich für den Weg zur Arbeit nutzen – oder doch eher in ihrer Freizeit. Es bleibe aber dennoch abzuwarten, wie sich die Nutzung im kommenden Jahr entwickle. Immerhin: Eine Mehrheit der Betriebe (59 Prozent) findet es sinnvoll, das Azubiticket sowohl in Ballungsräumen als auch in ländlichen Regionen umzusetzen. Viele seien bereit, sich an den Kosten für das Ticket zu beteiligen.

Dass die Unternehmen selber an Lösungsansätzen interessiert sind, machte auch Klaus Fenster, Leiter des Geschäftsbereiches Berufliche Bildung bei der IHK, deutlich. So haben die Betriebe im südlichen Siegerland (Burbach(Neunkirchen, Wilnsdorf) wegen der schlechten Anbindung eine Initiative gestartet und entwickeln zusammen mit der Uni Siegen für ihre Mitarbeiter eine Mitfahr-App. In der App können die Arbeitnehmer eingeben, welche Wegstrecke sie jeden Morgen zurücklegen. Andere wiederum können dann abfragen, ob sie jemand mitnehmen kann. So können sich dann Fahrgemeinschaften bilden. Bei der Suche sollen auch Bus- oder Bahnverbindungen angegeben werden. „Wenn das gelänge“, so Klaus Fenster, „wäre das richtig gut.“ Dann könne man das Konzept auch auf andere Orte übertragen. Eine Umsetzung des Projektes wäre im Frühjahr denkbar.´

Infos zum Azubi-Ticket

Das Land NRW fördert das Ticket in Westfalen 2019 und 2020 mit 6,5 Mio. (62 Euro/Monat). Das „NRWUpgrade wird zusätzlich mit rund 7 Millionen Euro gefördert (gültig in ganz NRW, 82 Euro/Monat). Vereinbart haben das Ticket das Verkehrsministerium und die Verkehrsverbünde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare