„Wir stehen in den Startlöchern“

Kurz vor dem Ziel: „Unverpackt Siegen“ hat einen Laden in Weidenau gefunden

Der Umwelt zuliebe: Julia Shirley und Alexandra Becker vom Unverpackt-Team wollen den Kunden das plastik- und somit auch sorgenfreie Einkaufen ermöglichen.

Siegen. Was anfangs zunächst eine Idee war, könnte ziemlich bald Realität werden: Nach Monaten der Planung sind zehn Siegener Gründer nun kurz davor, ihren Unverpackt-Laden (wir berichteten) zu eröffnen.

„Es ist einfach krass zu sehen, wie schnell dieses ‘Baby’ groß geworden ist“, erzählt Julia Shirley vom Unverpackt-Team. Zu Beginn seien noch mehr Interessierte zu den wöchentlichen Treffen gekommen. „Am Ende blieben aber dann zehn von uns übrig, die wirklich Verantwortung für das Projekt übernehmen wollten.“ Der „harte Kern“ hat ernst gemacht, eine Genossenschaft gegründet, einen Businessplan erstellt.

Alle Beteiligten haben viel Zeit in dieses Projekt gesteckt: Selbst an den Wochenenden präsentierte sich das Team unermüdlich bei diversen Märkten in der Umgebung und bei anderen öffentlichen Anlässen mit einem Stand, stellte der Öffentlichkeit das Vorhaben vor und rührte ordentlich die Werbetrommel auf Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram. „Das Ganze nimmt unglaublich viel Zeit in Anspruch, aber nicht im negativen Sinn. Es steckt einfach viel Herzblut darin, weil es für die gemeinsame Sache ist“, so Alexandra Becker, die ebenfalls zum Team von „Unverpackt Siegen“ gehört.

Und das hat sich bis jetzt gelohnt: „Wir sind überwältigt davon, wie viele Leute wir mittlerweile erreicht haben – von jung bis alt sprechen uns viele darauf an“, berichtet Julia vom Erfolg der Aktionen. So konnten die Mitglieder für den Unverpackt-Laden schon über 40.000 Euro per Crowdfunding-Aktion zusammenbekommen.

Auch ein Standort hat sich nach langer Suche vor kurzem gefunden: Für ein Ladenlokal am Hauptmarkt 20 in Weidenau hat das Team bereits eine Absichtserklärung unterschrieben. „Wir sind total froh. Der Laden erfüllt all unsere Erwartungen und vor allem die Anforderungen.“

In dem weitläufigen Ladenlokal direkt an der Sieg, das seit Jahren leersteht, gibt zwei Etagen: auf der oberen soll der Verkaufsraum entstehen, unten ist genug Platz für das Lager. „Das Tolle ist, dass wir mit dem Laden noch wachsen können.“ Angedacht sei es auch, Workshops und Vorträge zum Thema „plastikfrei Leben“ bzw. „Müllvermeidung“ anzubieten, wenn das Geschäft es zulasse.

Die Lage im Herzen von Weidenau sei ideal, es gebe Laufkundschaft und die Erreichbarkeit sei nicht nur für Menschen aus dem Stadtgebiet gegeben, sondern auch für den gesamten Kreis. „Es wird auch Parkplätze in der Nähe des Ladens geben“, so Julia.

Noch steht der Laden am Hauptmarkt in Weidenau leer – das Unverpackt-Team möchte ihn wieder mit Leben(smitteln) füllen. Fotos: Tina Falkenhain

Im nun ausgewählten „Start-Sortiment“ befinden sich nach einer Online-Abstimmung unter anderem Haferflocken, Nudeln, Reis oder andere Hülsenfrüchte. Diese können aus sogenannten Bins, das sind Spendersysteme aus Glas, mit Hilfe eines Trichters abgefüllt werden.

„Die Leute sollen sich auf unsere Entscheidung verlassen können“, so Julia. „Wir wollen den Mehrwert bieten, dass man bei uns sorgenfrei und mit gutem Gewissen einkaufen kann.“ Dennoch solle der Laden kein Mahnmal sein. „Es soll einfach Spaß machen, bei uns einzukaufen.“

Aber nicht nur Lebensmittel sollen in den Laden einziehen: „Es gibt aber auch unverpackte Haushalts- und Gebrauchtwaren“, betont Julia und Alexandra ergänzt: „Damit wollen wir erst Mal eine Lücke füllen und Produkte anbieten, die man in Siegen bisher nicht unverpackt bekommt.“ Nach und nach solle das Sortiment an das Kaufverhalten und die Nachfragen der Kunden angepasst und entsprechend vergrößert werden.

Und weil die Waren sich natürlich auch nicht von selbst verkaufen, muss künftig immer jemand im Laden stehen. Da die Gründer aber zum Großteil andere Jobs haben oder mitten im Studium stecken, plant das Team, zusätzlich eine Vollzeitkraft einzustellen. „Wir übernehmen dann Schichten als Springer. Natürlich werden wir auch alle eine Hygiene-Schulung absolvieren“, so Julia.“ „Um die Hygienestandards zu erfüllen, arbeiten wir eng mit den zuständigen Ämtern zusammen und sprechen alles ab.“

Bis es aber soweit ist und der Laden eröffnet werden kann, muss das Unverpackt-Team erst einmal die Genossenschaftsprüfung durchlaufen. Ein hoher bürokratischer Aufwand, der mitunter viel Geduld erfordere – und ausreichend Beitrittserklärungen: Das Unverpackt-Team muss noch mindestens etwa 50 bis 75 Genossenschaftsmitglieder gewinnen – wie viele es aber genau sind, das hänge davon ab, wie viel sie für die Anteile zahlen. „Je mehr Beitrittserklärungen, desto schneller kommen wir voran“, erklären Julia und Alexandra. Denn die Prüfung ist gleichzeitig Voraussetzung für die Auszahlung des Crowdfundings. Erst dann kann der Mietvertrag offiziell unterschrieben und der Laden renoviert werden. Allerdings hätten viele Menschen noch Berührungsängste mit dem Thema Genossenschaft. „Dabei ist es eine große Chance“, betont Julia. „Die Mitglieder haben ein Mitspracherecht und können sich auch in den Vorstand wählen lassen.“

„Wir brauchen einfach Planungssicherheit, denn als Genossenschaft müssen wir ein Startkapital für sechs Monate Geschäftsbetrieb ohne Umsatz vorweisen“, erklärt Julia.

Hinzu komme die Einrichtung des Ladens und der Einkauf der Waren. „Das müssen wir alles selbst stemmen.“ Nach der erfolgreichen Prüfung könne es aber noch zwei bis drei Monate dauern, bis der Laden öffnen könne.

„Wir sind bereit und stehen schon in den Startlöchern. Sobald die Finanzierung steht, können wir loslegen“, erzählt Julia. Und fügt hinzu: „Ich freue mich so auf das, was jetzt kommt.“

Info: Wer Interesse an einer Genossenschaftsmitgliedschaft hat, kann sich im Internet unter www.unverpackt-siegen.de informieren und die Beitrittserklärung herunterladen.

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