Schauplatz und Kleines Theater: 160 Vorstellungen

Berkel, Blaubär und ein Abschied: Das Lÿz-Programm für die Spielzeit 2019/2020 ist da

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Stefanie Schierling (Sparkasse), Peter Imhäuser (innogy), Landrat Andreas Müller, Andreas Schmidt, Jens von Heyden (beide KulturBüro), Dr. Christine Tretow (1. FCKV) und Patrick Zöller (ebenfalls KulturBüro; v.l.) stellten das Programm vor. 

Siegen. Ist ja erstmal süß: Ein kleiner Goldfisch, als Hai verkleidet, blubbt im curaçaofarbenen Nass. Dabei ist dem Titelbild des neuen Lÿz-Programms durchaus eine tiefere Bedeutung beizumessen.

Man wolle damit nämlich, so Jens von Heyden, das Prinzip des Wolfs im Schafspelz, der sich immer weiter ausbreite, umkehren, den Menschen ein Schmunzeln statt ein Stirnrunzeln entlocken. Der KulturBüro-Leiter stellte jetzt zusammen mit seinen Mitarbeitern Andreas Schmidt und Patrick Zöller, flankiert von Landrat Andreas Müller sowie Sponsoren-Vertretern von Sparkasse und innogy das Programm der Spielzeit 2019/2020 vor. Mit am Tisch auch Dr. Christine Tretow vom Vorstand des 1. FCKV, stellvertretend für insgesamt neun langjährige Kooperationspartner. 

Als einen „kulturellen Kleinkunstpool“ bezeichnete Müller das Lÿz, ein Sammelbecken für regionale wie auch bundesweit bekannte (Klein-)Künstler. Zu erstgenannter Sparte gehören zweifellos Weigand & Genähr. Die Beiden erklommen am 28. Januar 1994 zum ersten Mal mit „Der Mensch als Dingsbums“ die Lÿz-Bühnen und begeisterten ab da im Laufe eines Vierteljahrhunderts fast 300 Mal ihre Fans. Die müssen jetzt stark sein: Am 28. Dezember sagt das Duo erstmals und an weiteren sieben Terminen „Adieu mit Ö“. 

Weigand & Genähr sagen „Adieu mit Ö“. 

Andreas Müller machte auf ein persönliches Highlight aufmerksam, nämlich den 4. Siegener Singer Songwriter Slam (19. Dezember), angelehnt an den Poetry Slam (24. November). Um „Siegens wilde Mädchen“ geht es in einer vom 1. Förderclub für Kleinkunst und Varieté (FCKV) präsentierten Musikrevue – Näheres dazu  weiter unten. Was die deutschlandweit bekannten Größen angeht, so wies von Heyden auch auf das Gastspiel von Thomas Freitag am 27. September hin: „Er wird sich mit den großen Fragen des Lebens beschäftigen“ – als da wären „Europa, der Kreisverkehr und ein Todesfall“. Um „epochale Familienangelegenheiten“ dreht es sich im Debütroman von Schauspieler Christian Berkel, der mit „Der Apfelbaum“ am 5. Oktober im Lÿz zu Gast ist. 

Einige Kabarettisten hatte sich Andreas Schmidt herausgepickt, Comedians desgleichen, schließlich konzentriere sich auch dieser Bereich zunehmend auf gesellschaftlich diskutierte Fragen und nicht mehr allein auf den „persönlichen Touch“. Beispielhaft genannt seienHG. Butzko (15. November), der sich der Frage annimmt, wie es um die Machtverteilung bestellt ist, und Sebastian 23, dem es nicht um das Streben nach Erfolg geht, sondern im Gegenteil um die Befreiung vom Leistungsgedanken. Konsequenterweise lautet der Titel seines Programms „Endlich erfolglos“ (16. November). 

Christian Berkel liest aus seinem Roman „Der Apfelbaum“. 

Eine „Mischung aus Wladimir Kaminer und Stand-up“ sei sein Favorit Nikita Miller, so Schmidt: Was ihm „Auf dem Weg, ein Mann zu werden“ alles widerfuhr, das berichtet der Comedian am 29. November. Bei Michael Hatzius mitsamt seiner Echse (wer spielt hier wen?) handele es sich um einen „Freund des Hauses“, zu sehen am 17. Januar 2020. 

Kleines, feines Lÿz-Lit

Eine Kurzlesung mit viel „sssspitzem Sssstein“ hielt Patrick Zöller aus „Die dreizehneinhalb Leben des Käpt’n Blaubär“. Der Kultschmöker feiert in diesem Jahr sowas wie ein Jubiläum, erschien Walter Moers Seemansgarn doch im Frühjahr 1999, also vor zwanzigeinhalb Jahren. Daraus vortragen wird am 7. Dezember Dietmar Wunder, unter anderem die deutsche Stimme von Daniel Craig. 

Mit ihm umfasst die Lÿz-Lit-Reihe sieben Termine. Dazu zählen auch Dominique Horwitz mit „Chanson d’Amour“ (18. Januar) und Oliver Steller, der Robert Gernhardt spricht und singt (14. März). Lena Greiner und Carola Padtberg (8. Februar) haben in „Ich muss mit auf Klassenfahrt – meine Tochter kann sonst nicht schlafen“ zusammengestellt, welchen Helikopter-Eltern-Wahnsinn sich Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Trainer, Hebammen und Frisöre heute bieten lassen müssen. Patrick Zöller sah es schon kommen: „Das wird für viele von uns ein tröstlicher Abend, bei dem kein Auge trocken bleibt.“ 

Und auch für Musikfreunde ist wieder einiges im 160 Punkte umfassenden Programm geboten – beispielhaft genannt seien das Konzert von Demon’s Eye am 20. März, die anlässlich des 50. Jubiläums des Albums „Deep Purple in Rock“ genau daraus spielen, sowie das Metaller Geballer VIII (9. November) mit vier Bands, die laut Jens von Heyden „durchaus haifischmäßig, aber sehr sympathisch“ ihre Versionen des Umgangs mit der Realität darböten.

Das Lÿz-Programm ist zusammengefasst im Programmheft und auf www.lyz.de. Karten sind erhältlich an den bekannten Vorverkaufsstellen.

50 Jahre Schülerinnenstreik: Siegens wilde Mädchen

Am 21. Oktober 1969 probten Siegens Schülerinnen im Lÿz(eum) den Aufstand: Sie traten in einen Schülerinnenstreik, der bundesweit Schlagzeilen machte. Die jungen Frauen lehnten sich auf gegen Unterrichtsmethoden und bestimmte Vorgehensweisen, berichtet Dr. Christine Tretow vom 1. FCKV Siegen beim Pressegespräch. Die Neue Revue titelte seinerzeit „Siegens wilde Mädchen“, und so lautet auch der Titel der Musikrevue, konzipiert und moderiert von Cornelia Sauer, seinerzeit selbst Schülerin in der Untertertia, und Wolfgang Suttner. 

Der Geschichte zugrunde liegen unter anderem Interviews mit Zeitzeugen, von denen einige auch selbst auftreten werden – „die inzwischen in hohen Ämtern sind“, so Tretow, die die Rolle der unbeliebten, strengen Direktorin übernimmt. „Wie man da auf mich kam, weiß ich nicht“, schmunzelte sie. Die Einstudierung liegt in den Händen von Guilia Gendolla. „Ein sehr, sehr spannendes Projekt“ sei das, so Tretow, das am 25. Oktober um 20 Uhr zur Aufführung kommt.  

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