Betroffen sind die Aussteller in der Einkaufspassage und vor dem Kaufhaus Wagener

Weidenauer Weihnachtsmarkt: Kein Karussell, kein Alkohol-Ausschank 

Weidenau. Die Emotionen kochen hoch: Seit  gestern steht das Kinderkarussell in der Einkaufspassage auf dem Weidenauer Weihnachtsmarkt still. Doch das ist noch nicht alles. Es darf auch kein Alkohol ausgeschenkt werden. Der Grund: die Auflagen wurden nicht erfüllt.   

Was es damit auf sich hat, erklärte die Stadt Siegen heute in einer Pressekonferenz. Eigentlich ist es ganz einfach: Die Werbegemeinschaft Siegerland Zentrum, die als Veranstalter des Marktes fungiert, hat es versäumt, wichtige Unterlagen bei der Stadt einzureichen. Der Weihnachtsmarkt (Pagodeon) der Interessengemeinschaft Siegerland-Center  - Zeltstadt an der Sieg sowie Aussteller vor dem Parkhaus - ist aber von dem Streit nicht betroffen. Hier wurden alle Unterlagen frühzeitig und ordnungsgemäß bei der Stadt eingereicht. 

"Seit April 2017 und den Geschehnissen rund um die Loveparade haben sich die Anforderungen von Veranstaltungen verändert. Dies wurde auch der Werbegemeinschaft mit großem zeitlichen Vorlauf mitgeteilt", erläuterte der zuständige Stadtrat Arne Fries. Die Werbegemeinschaft habe früh genug gewusst, dass der Weihnachtsmarkt nicht mehr so betrieben werden könne wie 2017. Ende vergangener Woche habe jedoch der Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Wilhelm Rothenpieler, durchblicken lassen, dass er sich nicht an diese Vorgaben halten wolle. 

Zur Erklärung: Für die Mall im Weidenauer Einkaufzentrum (überdachter Bereich) gibt es eine so genannte Dauerfestsetzung, die besagt, wie Flächen belegt werden dürfen und wie die Fluchtwege auszusehen haben. Diese Festsetzung gibt es seit 2001. Damals wurden die Flächen genaustens definiert. Diese Festsetzung beinhaltet jedoch auch Auflagen, die unter anderem besagen, dass Alkoholausschank sechs Wochen vorher zu beantragen ist oder dass ein Plan mit Buden und der Fluchtwegauszeichnung eingereicht werden muss. "Alle diese Auflagen wurden nicht erfüllt und nur deshalb ist die Stadt Siegen aktiv geworden", erklärte Fries. Denn: Normalerweise muss bei einer Dauerfestsetzung keine extra Abnahme gemacht werden, es reicht, wenn der Veranstalter die Auflagen erfüllt. "Hat Rothenpieler aber nicht, deshalb mussten wir handeln".   

Am Freitag habe es zunächst eine Untersagungsverfügung wegen eben der fehlenden Unterlagen gegeben. Das habe aber Rothenpieler nicht gestört. Der Markt sei wie geplant eröffnet worden. "Vor Ort haben wir dann festgestellt, dass wesentliche Teile des Karussells auf dem Fluchtweg platziert sind", so Björn Wienands, Leiter der Bauaufsicht. "Und wir reden hier nicht von Zentimetern, sondern von etwa zwei Metern", so Wienands weiter. Die Sicherheit der Besucher stehe nun mal über allem und deshalb habe er keine andere Wahl gehabt, als das Karussell still zu legen. Außerdem sei der Ausschank von Alkohol untersagt worden. Wenn das Karussell seit 17 Jahren an dieser Stelle gestanden habe, habe es seit 17 Jahren am falschen Platz gestanden und der Veranstalter habe einfach nur Glück gehabt, dass nichts passiert sei, so Wienands. 

Fries ergänzte: Bisher haben wir der Werbegemeinschaft immer geholfen und oftmals ein Auge zugedrückt. Allerdings haben wir mehr und mehr Zweifel an der Zuverlässigkeit des Veranstalters". 

Wilhelm Rothenpieler selbst kann die Aufregung nicht verstehen. "Es ist alles so wie immer. Seit 17 Jahren steht das Karussell an der gleichen Stelle", sagte er im Gespräch mit dem SiegerlandKurier. Dass das Karussell aber wohl seit 17 Jahren auf dem Fluchtweg stehe, habe er nicht gewusst. "Mir war nicht klar, dass der Fluchtweg genau dort liegt", sagte er.  

Als Grund für die fehlenden Unterlagen nannte Rothenpieler Ärger mit einer Mitarbeiterin des Ordnungsamtes."Wir können einfach nicht miteinander", sagte er. Er sei jedoch zuversichtlich, dass sich alles aufkläre. Der Sachverständige, der damals die Auflagen für die Mall erteilt habe, werde eine Unbedenklichkeitserklärung ausstellen, dass das Karussell auch an dieser Stelle stehen dürfe. Er hoffe, dass der Fluchtweg verlegt werden könne. Am morgigen Freitag wolle er das alles mit der Stadt besprechen. 

Ob irgendwann wieder Alkohol ausgeschenkt werden darf, steht derzeit in den Sternen. "Ich weiß gar nicht, dass die Genehmigung fehlt", so der Chef der Werbegemeinschaft. Hätte er es gewusst, hätte er es ja gemacht, sagte Rothenpieler. Er hoffe, dass man das jetzt alles schnell klären könne, damit der Markt weiterlaufen könne. Im nächsten Jahr, das sei sicher, werde er einen ganz neuen Plan machen, damit so etwas nicht mehr passieren können.

UPDATE 30. November, 14 Uhr: 

Mittlerweile gab es einen Besichtigungstermin in Weidenau: Das Ergebnis lest Ihr hier

Einen Kommentar unserer Redakteurin Anke Bruch gibt eshier

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