Welttag für Kinder krebskranker Eltern: Hilfe für Betroffene bietet das Siegener Projekt "Hörst du mich?"

Siegerland. Wenn ein Eltern- oder Großelternteil an Krebs erkrankt, verändert dies das Leben der ganzen Familie. Insbesondere Kinder werden in dieser Situation häufig nicht ausreichend berücksichtigt und fühlen sich schnell ausgeschlossen.

Schnell können sie dann mit Schuldgefühlen, Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen reagieren. Am heutigen 8. November findet in diesem Jahr zum fünften Mal der Welttag für Kinder krebskranker Eltern statt. Obwohl es keine statistische Erfassung betroffener Kinder durch das deutsche Krebsregister gibt, geht die Deutsche Krebshilfe davon aus, dass jährlich bis zu 200.000 Kinder erleben müssen, dass ein Elternteil an Krebs erkrankt.

Stresssymptome können zur post-traumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen

Die wenigen existierenden wissenschaftlichen Untersuchungen stammen vor allem aus dem anglo-amerikanischen Ausland und deuten darauf hin, dass zum einen die Lebenssituation und Entwicklung der betroffenen Kinder durch dieses familiäre Ereignis wesentlich beeinflusst werden. Zum anderen fühlen sich die erkrankten Eltern sowie das medizinische Fachpersonal im Hinblick auf den kindgerechten Umgang mit der belastenden Situation hilflos und überfordert. 

Am University Medical Center in Groningen untersuchten Forscher Jugendliche, nachdem bei Vater oder Mutter Krebs diagnostiziert wurde. Vier Monate nach dieser Mitteilung wies fast jeder dritte der Heranwachsenden Stresssymptome auf, nach sechs Monaten waren es noch 16 Prozent und nach einem Jahr schließlich noch 14 Prozent. In der Studie heißt es: „Die Stresssymptome können bei längerem Anhalten zu einer post-traumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen, einem Krankheitsbild, das sich durch vielfältige Symptome wie etwa Alpträume, große Traurigkeit oder Schuldgefühle äußert.“ Laut Untersuchungen an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf zeigen 30 bis 50 Prozent der mitbetroffenen Kinder Verhaltensauffälligkeiten, die ihre psychische und soziale Entwicklung erschweren und nachhaltig schädigen. Darunter regressive Symptome wie Daumenlutschen, Trennungsangst und Einnässen, Konzentrations- und Lernstörungen, Angstsymptome, depressive Symptome mit/ohne Suizidalität oder Überanpassung („pathologische Unauffälligkeit“). 

Transparenter Umgang mit der Krankheit kann helfen 

Professionell und präventiv begleitete Kinder, mit denen offene, ehrliche und altersgemäße Gespräche geführt wurden, wiesen signifikant weniger klinische Symptome auf. Dieser transparente Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern kann so helfen, die Familiendiagnose Krebs, das Leben mit der Krankheit sowie Abschied und Trauer gemeinsam zu bewältigen und mögliche Verhaltensauffälligkeiten, psychische oder psychosomatische Reaktionen, Traumatisierungen und chronische Erkrankungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen entgegenzuwirken.

Das bundesweite Netzwerk „Interessensgruppe Kinder krebskranker Eltern“, organisiert über die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie, setzt sich dafür ein, dass betroffene Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland eine Lobby bekommen. Der Ansprechpartner für betroffene Familien in Siegen ist das Projekt „Hörst du mich?“ des Caritasverbandes Siegen-Wittgenstein e.V., Haardtstraße 45, 57074 Siegen, Tel. (0271) 2360266. Infos im Internet gibt es unter https://www.caritas-siegen.de/angebote/hoerst-du-mich/

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