Premiere steigt am Samstag

Erschossen und trotzdem unsterblich: "Winnetou III" auf der Naturbühne in Elspe

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Sterbend blickt Winnetou seinem Blutsbruder ein letztes Mal in die Augen.

Elspe -  Ein kleines Mädchen spielt leise auf der Mundharmonika. Winnetou liegt angeschossen in den Armen seines Blutsbruders Old Shatterhand. Beide blicken sich ein letztes Mal tief in die Augen. Dann kehrt der Häuptling der Apatschen in die ewigen Jagdgründe zurück. Es ist eine ergreifende Szene, die den Besuchern des Elspe-Festivals nicht erspart bleibt. Schließlich lässt Karl May seinen Helden in "Winnetou III" sterben. Doch Geschäftsführer Jochen Bludau verspricht: "Am Ende muss niemand traurig nach Hause fahren."

Das finale Werk der Winnetou-Trilogie ist es also, das die Karl-May-Festspiele in Elspe in diesem Jahr auf die Bühne bringen. Am Samstag, 15. Juni, steigt die Premiere.

Die über 60 Darsteller und rund 40 Pferde auf der über 100 Meter langen Naturbühne nehmen die Besucher wieder mit auf eine Reise in den Wilden Westen, genauer gesagt nach San Manuel im Süden Arizonas. Hier haben die Siedler Gold gefunden - wie immer der "Zündstoff" für Konflikte zwischen dem Weißen Mann und den Indianern. 

Winnetou der größte Gegner der "Hounds"

Obwohl alle versuchen, den Fund geheim zu halten, tauchen schon bald die "Hounds" auf. Diese gefährliche Verbrecherbande setzt sich immer wieder auf die Spuren von Goldsuchern, um diese zu vertreiben und dann die Goldadern selbst auszubeuten. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Frieden zwischen den Apatschen und den Siedlern zu zerstören. In Winnetou sehen sie den größten Gegner und starten wüste Attacken gegen ihn. Verzweifelt versucht Winnetou mit seinem Bruder Old Shatterhand, die Angriffe der Banditen abzuwehren. Bis es schließlich zum Showdown kommt.

Die gewaltige Kulisse der Naturbühne mit einigen der Darsteller aus "Winnetou III".

"Die Romanvorlage ist eine der schönsten, rührendsten und tiefgründigsten Geschichten des großen Schriftstellers Karl May, in der er schließlich seinen Helden Winnetou sterben lässt", meint Festival-Geschäftsführer und Intendant Jochen Bludau. Dennoch haben er und sein Team kleine Änderungen an der Geschichte vorgenommen. Bludau: „Nicht nur eingefleischte Karl-May-Fans wissen, dass der Autor in diesem letzten Kampf seinen Helden Winnetou sterben lässt. Um dem großen Schriftsteller und seinen vielen Anhängern gerecht zu werden, kommen auch wir in Elspe nicht darum herum, der literarischen Vorlage in diesem Punkt zu folgen.“  

"Das Elspe-Erlebnis spricht alle fünf Sinne an"

Doch so ganz soll es das nach der oben beschriebenen Szene nicht gewesen sein. Bludau weiter: „Daher verspreche ich unserem Publikum, ohne zu viel zu verraten, dass unser 'Winnetou III' eine Inszenierung sein wird, bei der trotz aller Dramatik und dem unvermeidlichen Ende niemand traurig nach Hause fahren muss“.

Denn auch nach über 60 Jahren bleibt das Festival seiner Linie treu: Ein Theater zu sein, das ein familiengerechtes Programm in einem Ambiente anbietet, bei dem man sich zumindest für ein paar Stunden in eine andere Welt begibt. Die Macher sind sich sicher: "Das Elspe-Erlebnis spricht alle fünf Sinne an." 

"Plummer" bedroht den Häuptling der Apatschen, während seine Ganovenbrüder das Indianerdorf in Brand stecken.

Die Hitze der Explosionen auf der Haut fühlen, einen Hauch von Schwarzpulver mit der Zunge erahnen, den Geruch von 40 Pferden erleben, über 60 Darsteller, mitreißende Musiken und faszinierende Soundeffekte hören und das in einer herrlichen Naturkulisse sehen - "alles das ist das Elspe-Festival." Doch zum Erlebnistag auf dem Gelände gehört neben der großen Show noch viel mehr.

Dieses Rahmenprogramm erwartet die Besucher 

  • Die Internationale Musikshow „Forever Country“:  In dieser eigens für das Elspe Festival produzierten Show erwartet das Publikum ein breites Spektrum von fetzigem Country-Rock bis zur romantischen Ballade. In Verbindung mit der grandiosen Technik der Elspe-Festival-Halle inszeniert, erleben die Zuschauer eine Mischung aus Tanz und musikalisch erzählten Kurzgeschichten mit diesen Songs: „All summer long“, „Thank god I’m a Country Boy/Girl”, „Man! I feel like a woman“, „Shallow“, „Burning Love/Proud Mary“, „Forever Country“, „Footloose“. 
  • Stunt und Pferdeshow „Action, Stunts und Cascadeure“: Dass die Stuntmen und Cascadeure des Elspe Festivals ihr Handwerk beherrschen, beweisen sie in jeder Aufführung der Karl-May-Festspiele. Hier sieht das Publikum aber immer nur das Ergebnis: Eine perfekte Show. Aber wie kommt man zu der Präzision und Dynamik, die die Schlägereien unter Live-Bedingungen so faszinierend echt aussehen lassen, ohne dass sich jemand verletzt? Wie trainiert man Pferde so, dass sie sich unbeirrt von Schüssen, Feuer und Explosionen sicher vor einem großen Publikum bewegen? Wie gelingt es, dass sie in den Actionszenen wie wild über die Bühne preschen und in ruhigen, romantischen Passagen gelassen bleiben und die Szene nicht durch Nervosität und ungeplante Bewegungen stören? Und was müssen die Pyrotechniker leisten und beachten, damit die imposanten Explosionen und Feuer-Effekte für Darsteller und Publikum vollkommen ungefährlich bleiben? Auf all diese Fragen bekommen die Besucher die Antworten in der diesjährigen Stunt- und Pferdeshow des Elspe-Festivals. 
  • Tiershow „Dogs and Horses“: Nach ihrem großen Erfolg im vergangenen Jahr gibt es ein Wiedersehen mit Rosi Hochegger und ihren vierbeinigen Stars. Auch in ihrer neuen Show setzt die preisgekrönte Künstlerin auf ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier, wie es nur durch Liebe, Geduld und Vertrauen entstehen kann. Zusammen mit ihrem Partner Andrei Bocancea verblüfft sie das Publikum mit spielerisch gestalteten, teils akrobatischen und immer humorvollen Auftritten ihrer „Hundestaffel“ und dem Apportierpferd Cyrano. 
  • Backstage-Tour und „Meet and Greet“: Wer mag, kann zum Abschluss des Elspe-Erlebnisses noch einen fachkundig geführten Blick hinter die Kulissen bei der Backstage Tour oder ein „Meet and Greet“ mit zwei Hauptdarstellern der Karl-May-Festspiele (im Elspe-Erlebnis-Pass enthalten) buchen.

Tickets für das Elspe Festival gibt es unter www.elspe.de, an der Telefon-Hotline 0 27 21 / 94 440 oder per E-Mail unter tickets@elspe.de sowie per Post: Elspe Festival GmbH, Zur Naturbühne 1, 57368 Lennestadt-Elspe

Wie alles begann: Mehr als 60 Jahre Karl-May-Festspiele Elspe

Im Jahre 1958 war es noch ein Amateurensemble, das erstmals ein Stück nach einem Werk von Karl May aufgeführte: die Geschichte „Winnetou“. Damit konnten die Verantwortlichen in Elspe die Zuschauerzahlen mit rund 19.000 pro Spielzeit mehr als verdoppeln. Mit den Inszenierungen der Karl-May-Stücke hat die Naturbühne Elspe von Beginn an einen eigenen Stil erschaffen und kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei wurden die Möglichkeiten der Freilichtbühne umfangreich ausgenutzt, zum Beispiel für Ritte, Kämpfe und andere Aktionen – seither ein Erkennungszeichen von Elspe. 

Mit der Aufführung „Halbblut“ kamen im Sommer 1974 erstmals über 100.000 Zuschauer in einer Saison zu den Karl-May-Festspielen, und nur zwei Jahre später, im Festivalsommer 1976, dem ersten mit Pierre Brice in der Rolle des Winnetou, zählte man über eine Viertelmillion. Im Jahr zuvor hatte man den Zuschauerraum von 2000 auf 4400 Sitzplätze ausgebaut, einen originalgetreuen Western Saloon errichtet und die Western-Eisenbahn gebaut. 1978 wurden dann insgesamt drei Millionen DM investiert, um den Zuschauerraum komplett zu überdachen. Das Publikum konnte fortan regensicher den Geschichten rund um Wildwestromantik und Indianerabenteuer folgen. Die beeindruckende Konstruktion ist dem Dach des Münchener Olympiastadiums nachempfunden: Keine einzige Säule trübt den Blick auf die riesige Freilichtbühne. 

Während die Theatervereine, die man in der Nachkriegszeit kannte, wesentlich in öffentlichen Hallen auftraten, gab es in Elspe schon früh eine Naturbühne. Das war etwas Besonderes. Im Laufe der Zeit wurden Erfahrungen gesammelt. Wie reagiert das Publikum auf bestimmte Dinge? Was ist erfolgreich, und wie kann man das, was da angefangen worden ist, perfektionieren? Im ersten Schritt hat man schon sehr früh erkannt, dass die Ansprüche des Publikums in Sachen Professionalität ständig wachsen. 

Das führte dazu, dass 1974 eine GmbH gegründet wurde, die das Theater aus dem Amateur-Bereich zum Profi-Theater entwickelt und nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt hat. Erste Abteilungen wurden gebildet, und einzelne Mitarbeiter haben sich auf die Führung dieser Abteilungen spezialisiert. Das betraf zum einen die Produktion der Festspiele mit den Komponenten Buch und Regie, Darsteller, Stunts, Pferde, Bühnenbau. 

Zum anderen musste der Ticketverkauf organisiert, eine zeitgemäße Öffentlichkeitsarbeit und Werbung aufgebaut und zunehmend auch der Komfort der Gäste Berücksichtigung finden. Dies betraf dann zum Beispiel eine komfortablere Bestuhlung, überdachte Bereiche und die Gastronomie. Es mussten weitere Attraktionen rund um den eigentlichen Theaterevent geschaffen werden, die insbesondere den Gästen, die weite Anreisewege hatten, ein mehrstündiges Erlebnis vermittelten. Schon in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre gab es die ersten Showprogramme, die nach und nach den Besuch in Elspe zu einem Ganztageserlebnis machten. (Quelle: Elspe Festival)

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