IOC-Präsident Bach spricht von "Meilenstein"

Olympia-Eröffnung: Nord- und Südkorea laufen mit gemeinsamer Fahne ein

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IOC-Präsident Thomas Bach (Mitte) mit Nordkoreas Sportminister Kim Il Guk (l.) und Südkoreas Sportminister Do Jong-hwan.

Nord- und Südkorea werden bei den Olympischen Winterspielen im Februar bei der Eröffnungsfeier gemeinsam einlaufen und zusammen ein Damen-Eishockey-Team stellen.

Insgesamt wird Nordkorea bei den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang mit 22 Athleten in drei Sportarten und fünf Disziplinen vertreten sein, wie der deutsche Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, am Samstag nach einem Treffen in Lausanne bekanntgab.

An dem Treffen hatten ranghohe Vertreter beider Länder, des IOC sowie der Olympia-Organisatoren teilgenommen. Die Teilnahme Nordkoreas an dem vom 9. bis zum 25. Februar stattfindenden Sportereignis in Südkorea gilt als wichtiges Zeichen der Entspannung im Verhältnis zwischen den beiden verfeindeten Staaten. Bach sprach von einem "Meilenstein".

Erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele wird es ein gemeinsames Eishockey-Damenteam beider koreanischer Staaten geben. Nordkoreanische Sportler treten zudem im Eiskunst- und Eisschnelllauf, sowie im Skilanglauf und im Alpinski an. Die Athleten beider Staaten werden bei der Eröffnungszeremonie am 9. Februar gemeinsam hinter der sogenannten Fahne der Vereinigung laufen - eine hellblaue Silhouette der Halbinsel auf weißem Grund.

Die Regierungen der beiden koreanischen Staaten waren durch ihren jeweiligen Sportminister bei den Gesprächen vertreten - für den Süden Do Jong Whan und für den Norden Kim Il Guk, der zugleich Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) ist. Südkoreas NOK-Präsident Kee Heung Lee war ebenfalls anwesend, außerdem die IOC-Vertreter beider Länder, Chang Ung für den Norden und Rhyu Seung Min, ehemaliger Tischtennis-Champion, für den Süden. Außerdem nahmen Vertreter des Organisationskomitees der Winterspiele an dem Treffen teil.

Das IOC klärte unter anderem, ob nicht qualifizierte oder nicht angemeldete nordkoreanische Sportler zugelassen werden. Weitere Themen waren Fragen des Protokolls und die Unterbringung der Nordkoreaner, die nun im Olympischen Dorf wohnen sollen.

Seoul und Pjöngjang hatten sich bereits zuvor auf das gemeinsame Einlaufen ins Olympiastadion und die Bildung eines gemeinsamen Eishockey-Frauenteams geeinigt. Das IOC bestätigte nun die Vorschläge.

Anfang der Woche hatten Nord- und Südkorea überdies vereinbart, dass als Teil der nordkoreanischen Delegation zu den Winterspielen ein Orchester mit 140 Musikern in Südkorea auftreten sollte. Außerdem war mit einem möglichen Auftritt der nordkoreanischen Girl-Band Moranbong gerechnet worden. Deren Leiterin, Hyon Song Wol, soll an der Spitze des Orchesters stehen

Hyon leitet auch eine siebenköpfige Delegation aus Nordkorea, die am Sonntag die schwer bewachte Grenze zum Süden für eine zweitägige Inspektionsreise überquerte. Die Delegation soll Kulturveranstaltungen vorbereiten und die Veranstaltungsorte der Olympischen Spiele inspizieren.

Die Vertreter Pjöngjangs reisten über die südkoreanische Hauptstadt Seoul weiter mit dem Zug in die Stadt Gangneung im Osten des Landes. Dort soll während der Winterspiele eines der geplanten Konzerte nordkoreanischer Künstler stattfinden. Für Montag ist die Besichtigung der Veranstaltungsorte in Seoul geplant.

Es ist der erste Besuch nordkoreanischer Funktionäre in Südkorea seit vier Jahren. Eine weitere Delegation aus dem Norden wird nächste Woche erwartet. Sie soll die geplante Versorgung der nordkoreanischen Athleten während der Winterspiele überprüfen. Auch Seoul will Vertreter in den Nachbarstaat schicken, um dort einen Ski-Ort zu inspizieren.

Die Winterspiele finden nur etwa 80 Kilometer südlich der entmilitarisierten Zone statt, die Teilungslinie zwischen Nord- und Südkorea. In den vergangenen Monaten hatten die Spannungen auf der seit Jahrzehnten geteilten Halbinsel zugenommen. Grund dafür waren unter anderem mehrere Raketentests Pjöngjangs. Seit Jahresbeginn kam jedoch Bewegung in den Konflikt, nachdem Kim in seiner Neujahrsansprache Dialogbereitschaft mit dem Süden signalisiert hatte.

AFP

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